Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 106

Ein Altenheim im Jugendstil

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Design: Wie ein Deutscher in Trzebiechow ein vergessenes Werk Henry van de Veldes fand

Als Erwin Bockhorn von der Bank im Jahr 2002 erfuhr, dass die von Henry van de Velde entworfene Villa Esche in Chemnitz restauriert sei, erinnerte er sich an Äußerungen seines Großvaters. Der war einst Chefarzt des Sanatoriums im polnischen Trzebiechow (damals Trebschen) und hatte den belgischen Architekten Henry van de Velde (1863 bis 1957) mehrmals im Zusammenhang mit seinem Arbeitsplatz erwähnt. Bockhorn von der Bank suchte Fotos heraus, die sein Großvater ihm hinterlassen hatte und machte sich auf den Weg nach Polen.

Das Sanatorium beherbergt heute ein Altenheim. "Als ich es betrat, war ich noch skeptisch." Doch hinter einer unscheinbaren Fassade des Gebäudes "eröffnete sich mir wahrer Schatz", erinnert sich der 56-jährige frühere Pharmafachmann aus Baden-Württemberg. Bereits die Türklinken trugen die Handschrift van de Veldes. Hinter der Tür erstreckte sich ein Vestibül im reinsten Jugendstil.

Eine Pflegerin führte den Besucher ins vormalige Arzthaus, wo das gesamte Treppenhaus, die rötlichen Verglasungen, der eingebaute Kamin, sowie Möbel und Einbauten erhalten geblieben waren. Kurz darauf bestätigten Fachleute aus Deutschland und Belgien, die Vermutung des Arztenkels: Das Interieur stammt von dem berühmten Jugendstil-Designer.

Inzwischen wurde die Inneneinrichtung des ehemaligen Sanatoriums in das Van-de-VeldeWerkverzeichnis aufgenommen, das die Stiftung Weimarer Klassik derzeit erstellt. Von der Bank forscht derweil unermüdlich weiter. Im Berliner Staatsarchiv fand er 38 Original-Briefe, in denen der Jugendstilkünstler mit der Fürstin Reuss, der Bauherrin des Anwesens, über Details verhandelte. Mit Hilfe dieser Unterlagen soll der spektakuläre Fund nun restauriert werden.

Bild(er):

Bild: Das Treppenhaus trägt die Handschrift von Henry van de Velde: Altenheim im polnischen Trzebiechow

Bild: Erwin Bockhorn von der Bank