Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 106

Arbeit am Mythos

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Denkmäler: Erhaltung von Versailles kostet mindestens 135 Millionen Euro

Präsident Jacques Chirac hat sich, anders als seine Amtsvorgänger, bislang nicht durch spektakuläre Bau- und Renovierungsmaßnahmen hervorgetan. Den Kuben, Pyramiden und anderen Großprojekten des Sozialisten Francois Mitterrand war seit 1995 eine Phase der - dringend nötigen - Denkmalpflege gefolgt, etwa mit der Generalsanierung des Centre Pompidou oder der noch laufenden Res-taurierung des Grand Palais in Paris.

Jetzt aber, 20 Jahre nach Mitterrands "Operation Grand Louvre", ist der Startschuss gefallen für ein "Grand Versailles". Wie Frankreichs Kulturminister Jean-Jacques Aillagon jüngst bekannt gab, soll das Prachtschloss Ludwig XIV., das jährlich zehn Millionen Touristen aus aller Welt anzieht (und 35 Millionen Euro an Betriebskosten verursacht), in den nächsten Jahren gründlich saniert und, so weit möglich, wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden. Im staatlichen Budget sind dafür bis zum Jahr 2010 rund 135 Millionen Euro vorgesehen, danach soll eine weitere Restaurierungsphase folgen. In der französischen Presse wurde vermutet, dass die Bauarbeiten bis ins Jahr 2020 dauern und insgesamt 390 Millionen Euro kosten werden.

Dass das Engagement des Neo-Gaullisten Chirac ausgerechnet Versailles gilt, war politischen Kommentatoren ein gefundenes Fressen: Schließlich hatte Ludwig XIV. das vormals kleine, unbedeutende Jagdschloss in ein steinernes Symbol absoluter Macht verwandelt. Es verkörpert wie kein anderes Bauwerk den Mythos französischer Grandeur und Perfektion.

Viele Renovierungsmaßnahmen werden äußerlich unsichtbar bleiben. Ein gutes Drittel des Budgets entfällt auf Klima-, Heizungs- und Sicherheitstechnik. Erneuert werden außerdem der Empfangsbereich, das Schieferdach, die Gartenfassade, der Vorplatz und die in der Revolution eingeschmolzene "Grille Royale" - die Umzäunung des Innenhofs zwischen den beiden Eckpavillons. Die "grande toilette" an Palast und Garten wird für den Besucher Einschränkungen mit sich bringen. Wer kann, beeile sich -oder warte bis 2010.

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Bild: Steinernes Symbol absoluter Macht: Schloss Versailles südwestlich von Paris