Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 83

Porträts als Gartenschere und Nonne

Von Anke Drrzapf

AUSSTELLUNGEN IM JANUAR - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / ZÜRICH: MARIA LASSNIG / Das Kunsthaus zeigt die jüngsten Gemälde der großen österreichischen Künstlerin, die in ihrer Arbeit stets nur ein Thema hat: sich selbst

Kühle, konstruierte Bilder waren nie ihre Sache. Maria Lassnig malt direkt auf die Leinwand, manchmal schließt sie die Augen dabei. Sie arbeitet in leuchtend hellem Grün, in Rot, Rosa, Ocker, Schwefelgelb. Und ihre Kunst dreht sich ausschließlich um sie selbst. "Ich habe Subjektivität abgestritten, bis ich entdeckte, dass es sowieso nur diese gibt", sagt Maria Lassnig. "Als ich in meiner Malerei müde wurde, die Natur analysierend darzustellen, suchte ich nach einer Realität, die mehr in meinem Besitz wäre als die Außenwelt und fand als solche das von mir bewohnte Körpergehäuse, die realste Realität, am deutlichsten vor."

Das Kunsthaus Zürich zeigt jetzt in der Ausstellung "Verschiedene Arten zu Sein" aktuelle Gemälde der "Grande Dame der österreichischen zeitgenössischen Malerei", wie sie gerne genannt wird. 84 Jahre ist Maria Lassnig mittlerweile, dieses Jahr erhielt sie den Max-Beckmann-Preis. Ihrem großen Thema, dem eigenen Körper, ist sie seit über 50 Jahren treu. Und doch sind ihre "Body-awareness-paintings" stets ein Porträt ihres Inneren. Indem sie ihren Körper darstellt, erforscht sie ihre Gefühle. Sie malt Selbstporträts als Gartenschere, Bergmensch, kämpferische Nonne und als Malerin - Bilder voller Melancholie, Verwundungen und Lebenslust aus der Teilnehmer-Perspektive, nicht aus der des Beobachters. In ihrem Spätwerk kommen Themen wie das Altern und versäumtes Familienleben hinzu.

Zwischen Körper und Geist gibt es bei Maria Lassnig keinen Gegensatz, beides verschmilzt in einer sehr weiblichen Perspektive zu einer Einheit. Außen- und Innenwelt, objektive Beobachtungen und Unbewusstes sind nicht trennbar. Sie sind Teil der Wirklichkeit einer Malerin, die sich ihres Innenlebens nicht schämt und es wagt, sie zum Thema ihrer Malerei zu machen - fern jeder konzipierten Medienkunst: "Ich werde es nie verstehen können, wie die Künstler glücklich sein können, an Bildern, die eine Maschine gemacht hat, herumzumanipulieren."

Termin: bis 29. Februar. Katalog: 24 Franken. Internet: www.kunsthaus.ch

Bild(er):

Bild: Rätselhafte Zukunft: "Kleines Sciencefiction-Selbstporträt" (1995, 125 x 100 cm)

Bild: Kunst als Rausch und Quälerei zugleich: "Die grüne Malerin" (2000, 125 x 100 cm)