Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 110
Peinliche Parolen
Von
Ansbach: Proteste gegen "moderne Kunst" im Stadtbild
W enn Axel Nitzschke am Feierabend durch die Altstadt geht, durchfahre ihn der Brechreiz, sagt er. Denn Axel Nitzschke hat ein Problem: moderne Kunst. Und er ist nicht der einzige im fränkischen Ansbach, der sich davon belästigt fühlt: Erboste Stellungnahmen füllten mehrere Wochen den Leserbriefteil der Lokalzeitung. Die Ursachen der Aufregung: Eine Installation des Designbüros Atelier & Friends am Herrieder Tor, die das barocke Stadttor farbig beleuchtet, und die Ausstellung "Ansbach beflügelt": 15 Bronzeplastiken von Jürgen Goertz, verteilt über die Altstadt. Eine Skulptur zeigt Johann Sebastian Bach und wurde von der Stadt gekauft. "Den Gesichtsausdruck eines Massenmörders" habe der Meister, meint Wortführer Axel Nitzschke. Der Mann ist Psychotherapeut. Und offenbar spricht er vielen Ansbachern aus dem Herzen. "Entartete Kunst", sei das, bekamen Schüler zu hören, als sie die Figuren zeichneten. Aufhängen an dem Querbalken der Lichtinstallation solle man die Verantwortlichen. Bildhauer Goertz: "Das passt ein bisschen in diese Zeit, in der man sich wohl wieder traut, so etwas zu sagen."
Seine Ausstellung ist zwar Ostern zu Ende, doch den erzürnten Ansbachern dauert das zu lange: Nitzschke hat ein Flugblatt verfasst und will erreichen, dass die Skulpturen vorzeitig abgebaut werden, die Lichtinstallation entfernt wird. Am liebsten per Bürgerbegehren. "Die Beleuchtung abzubauen würde zwischen 40000 und 50000 Euro kosten", stöhnt Oberbürgermeister Ralf Felber. "Doch auch wenn der Stadtrat mehrheitlich gegen die Installation war, denke ich, dass er sie aus finanziellen Gründen dort belassen wird."
Bild(er):
Bild: Lichtinstallation am Herrieder Tor
Bild: Bach-Skulptur von Jürgen Goertz
