Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 107

Wo der Kunde König ist

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Raubkunst: Kritik an Geschäftsgebaren von Christie's

Gleich doppelt steht das Auktionshaus Christie's derzeit am Pranger, beide Male, weil es mit Kunstwerken heikler Provenienz nicht korrekt umgegangen sei. Wie die englische Zeitung "The Guardian" enthüllte, lieferte der Bremer Sammler Carl Schünemann vor drei Jahren bei Christie's in London das Gemälde "Heitere Gesellschaft mit Laute spielender Frau" von Jacob Duck (um 1600 bis um 1660) zur Versteigerung ein. Nachdem Mitarbeiter des Auktionshauses die Vergangenheit des Werkes erforscht hatten, lehnte das Haus die Versteigerung ab und gab das Bild an Schünemann zurück.

Aus gutem Grund - hatte das Gemälde doch bis 1937 zur Sammlung des Berliner Ehepaars Ulla und Moritz Rosenthal gehört, das später in Auschwitz ermordet wurde. Noch im Jahr des Entzugs war das Gemälde beim Berliner Auktionshaus Harms versteigert worden. Christie's wird vorgeworfen, die Rosenthal-Eben, die in den USA leben, nicht direkt ausfindig gemacht zu haben. Die Versteigerer verweisen darauf, dass sie dem aktuellen Besitzer nahe gelegt haben, sich an das Londoner Art-Loss-Register zu wenden. Nach Auskunft der Organisation hat sich Schünemann dort aber bislang nicht gemeldet.

Der zweite Fall betrifft eine um 1740 entstandene Venedig-Ansicht von Michele Marieschi (1696 bis 1744). Die Vedute aus dem Besitz des 1976 gestorbenen Wiener Bankiers Heinrich Graf wird von den Erben seit Jahren gesucht. Heute befindet sie sich angeblich in der Sammlung eines englischen Christie's-Kunden. Das Auktionshaus weigert sich jedoch, den Namen des Käufers preiszugeben. Es beruft sich auf die Vertraulichkeit, die jedem Kunden zugesichert werde. Diese könne nur von einem Gericht oder vom Kunden selbst aufgehoben werden.

Beide Male verhielt sich Christie's anders, als es Haus-Jurist Richard Aydon im letzten Jahr angekündigt hatte. Er sagte, dass solche Fälle nicht nur juristisch, sondern eben auch moralisch bewertet werden müssten.

Bild(er):

Bild: Jacob Duck: "Heitere Gesellschaft mit Laute spielender Frau" (undatiert)