Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 107
Wem gehört Keïtas Werk?
Von
Rechte: Streit um das Erbe des afrikanischen Fotografen
Erst zehn Jahre vor seinem Tod wurde er in Europa und den USA entdeckt, heute sind seine Werke fester Bestandteil der großen Fotografie-Sammlungen: Seydou Keita (1923 bis 2001) aus dem westafrikanischen Staat Mali eroberte mit seinen altmodisch korrekten Porträts von Männern und Frauen in Sonntagskleidung in rasantem Tempo Museen und den Kunstmarkt.
Jetzt liegen zwei ehemalige Vertraute des Künstlers im Clinch um die Exklusivrechte an Keitas Lebenswerk. Der eine, Andre Magnin, machte den Fotografen in den neunziger Jahren durch Bücher und Ausstellungen bekannt. Heute betreut er die Pigozzi-Kollektion in Genf, eine bedeutende Sammlung afrikanischer Gegenwartskunst. Magnins Gegner ist der der Pariser Galerist Jean-Marc Patras. Auf dem jüngsten "Treffen der afrikanischen Fotografie" in Bamako, der Hauptstadt Malis, demonstrierten beide Parteien durch eigene Keita-Schauen ihre jeweiligen Ansprüche.
Magnins Problem: Ihm verdankte Keita viel, doch die Zusammenarbeit der beiden fußte "nach afrikanischem Brauch" (Magnin) nur auf mündlichen Absprachen. Patras hingege n brachte Keita ein halbes Jahr vor seinem Tod dazu, ihm das weltweite Alleinvertretungsrecht für sein Gesamtwerk schriftlich zuzusichern. In der Zeitung "Le Monde" hielt Magnin dagegen, der Fotograf sei nicht mehr zurechnungsfähig gewesen, als er Patras alle Rechte übertrug.
Patras bleibt hartnäckig und fordert nun, dass Magnin 921 Negative an ihn herausgibt. Doch der stellt sich bislang quer. Wer die Oberhand behält, wird am Ende wohl ein Gericht entscheiden müssen.
Bild(er):
Bild: Seydou Keita: Frau in Kamisolkleid
Bild: Als die Welt noch in Ordnung war: Andre Magnin (Mitte) 1999 mit dem greisen Seydou Keita (links) und dem Fotografen Malick Sidibe
