Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 86
Ohne Orientierung
Von Alexandra Reininghaus
AUSSTELLUNGEN IM JANUAR - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / GRAZ: EINBILDUNG / Im Kunsthaus Graz müssen bildende Künstler der neuen Architektur trotzen
An die "Einbildung" appelliert die Eröffnungsausstellung im Kunsthaus Graz - und meint damit wohl erst einmal: Bilden wir uns ein, dieses Museum (art 12/2003) sei für die Kunst da. Obwohl es keine Wände gibt, sondern nur improvisierte Stellagen; obwohl das Licht aus grellen Spiralleuchtern an den Decken blendet, anstatt dezent durch Oberlichter zu fallen. Was ist möglich in solch einem Gebilde aus Wölbungen und Windungen? Klassische Malerei hat nicht einmal dann eine Chance, wenn sie leuchtet wie Yves Kleins monochromes gelbes Bild. Die Schau funktioniert nur dort, wo sie die Architektur mit ihren eigenen Waffen schlägt und den Besucher an seinem Raumgefühl zweifeln lässt. So legt es die Amerikanerin Rachel Khedoori mit ihren optischen Täuschungen erfolgreich auf
die Desorientierung des Betrachters an. Auch die gleißenden Lichtprojektionen des Dänen Olafur Eliasson lassen das Drumherum vergessen. Mit solchen Arbeiten gelingt es Museumschef Peter Pakesch, die Wirkungsmacht der Kunst sogar im Bauch des Alien zu behaupten. Diesmal jedenfalls.
Termin: bis 18. Januar 2004. Katalog: 29,90 Euro. Internet: www.kunsthausgraz.at
Bild(er):
Bild: Kunst hat es hier schwer: Blick ins Kunsthaus mit einer Skulptur von Liz Larner
