Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 114-115

Genialer Amateur

Von

Von Haus aus hätte er ein "Pfeffersack" werden sollen. Doch Herbert List (1903 bis 1975) war nicht für lebenslangen Handel geschaffen. Der Sohn wohlhabender Kaffee-Importeure entwich in die Fotografie - und wurde in diesem Metier zu einem der führenden deutschen Lichtbildner des vergangenen Jahrhunderts.

Einfühlsam, doch niemals devot hat jetzt der Autor Emanuel Eckardt die Biografie des charmanten Flaneurs, Suchers und Entdeckers geschrieben, dessen eigene Bilanz in dem Satz gipfelte: "In allem, was ich tue, bin ich Amateur." Vielleicht hat gerade diese Haltung List befähigt, anders zu sehen, anders zu fotografieren, als viele seiner Kollegen. Der schmale Bildteil setzt neben den berühmten List, der das homerische Licht Griechenlands in Bilder bannte, den weniger bekannten List - den Freund der Künstler. Hinreißende Porträts von Marino Marini, Anna Magnani, Erich Maria Remarque und William Sommerset Maugham sind weit mehr als Textbegleitung.

Emanuel Eckardt: Herbert List. Hrsg.: ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Ellert & Richter Verlag, Hamburg. 144 S. mit 77 Schwarzweiß-Abb. 14,90 Euro

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