Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 122
Nachgefragt
Von
Birgit Weller, 41, Professorin am Fachbereich Design und Medien der Fachhochschule Hannover, über die grassierende Angst vor Farbe.
art: Sie haben bei Designern und Architekten ein Langzeit-Leiden festgestellt: Chromophobie - Angst vor der Farbe. Was sind die Symptome?
Weller: Einerseits werden wir von grellen, undifferenzierten Farben erschlagen, vor allem in der Werbung. Im Produktdesign und in der Architektur wird dagegen alles monochrom gestaltet. In beiden Fällen herrscht Angst davor, sich auf die Vielfalt der Farben wirklich einzulassen.
Bekanntlich erkennt man Architekten und Designer ja auch an der schwarzen Kleidung
Das ist wie eine Uniform. Ich vermute, dass sie mittlerweile Angst haben vor den Emotionen, die von Farben ausgelöst werden.
Welche Therapie empfehlen Sie?
Wir brauchen eine neue Schule der Sinne. Man muss viel Zeit investieren, um die Wirkung von Farben zu studieren. Sehen Sie in die Natur: Sie ist äußerst farbenfroh, wirkt aber niemals grell oder unharmonisch.
Welche Farben bevorzugen Sie persönlich?
Ich bin verrufen für meine farbigen Tücher, die das Schwarz brechen. Ich trage viel Rot, besitze aber auch ein maisgelbes Jackett. Als dunkler Typ kann ich gut kräftige Farben tragen.
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