Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 113

Mäzen mit Prädikat

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KOMMENTAR

Von Jubiläen können Initialzündungen ausgehen: so jüngst auf wundersame Weise in Wuppertal zum Wohl des Von der Heydt-Museums geschehen. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens gab der Industrielle Heinz-Olof Brennscheidt, 68, bekannt, er werde künftig dem Kunsthaus für Wechselausstellungen jährlich mindestens 250000 Euro stiften.

Brennscheidt, als Produzent von Rädern und Rollen zu Vermögen gekommen, hatte bislang Waisenhäuser unterstützt und nur einmal öffentlich auf Kunst gesetzt, als er 1999 der Stadt eine Großplastik von Alf Lechner schenkte. Da muss der sozial engagierte Unternehmer auf den Kunst-Geschmack gekommen sein.

An seine Dauerstiftung für das Von der Heydt-Museum hat Brennscheidt einige Bedingungen geknüpft: So soll Direktorin Sabine Fehlemann, die bereits einen Antrag auf Vorruhestand eingereicht hatte, bis 2006 im Amt bleiben. Außerdem musste sich die Stadt verpflichten, als Nachfolger einen "ausgewiesenen Museumsmann" und nicht etwa einen Manager zu berufen sowie an der kommunalen Trägerschaft nicht zu rütteln. Das lässt Rückschlüsse auf jüngste Konflikte zwischen Kulturpolitik und Museum zu.

Brennscheidts Engagement ist bestes Beispiel für Bürgersinn - zumal er nicht auf öffentliche Belobigung an Portal oder Museumswand schielt. Hier hat sich ein braver Mann wohl wirklich das sonst häufig zu Unrecht reklamierte Prädikat verdient, ein Mäzen zu sein.