Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 114
Frau Prof. Hartls Münchner Pannenserie
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KOMMENTAR
Letzten Sommer wandten sich die Münchner Künstler in einem Brief an Oberbürgermeister Christian Ude: "Das Fehlen eines konstruktiven Austauschs mit Kulturinstitutionen und KünstlerInnen zeigt beispielhaft, in welche Richtung sich die hiesige Kulturpolitik entwickelt." Eine Ohrfeige für die umstrittene Kulturreferentin Lydia Hartl. Es war nicht die erste, die sie einstecken musste. Im Juli 2001 hatte die parteilose Medizinerin, Wahrnehmungspsychologin und Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Lydia Hartl das Kulturreferat von Julian Nida-Rümelin übernommen, der als Kulturstaatsminister nach Berlin wechselte. Schon bald hagelte es heftige Kritik. Mit dem wolkigen Medienkonzept "lab21", das ohne Kontakt zur lebendigen Münchner Szene entstanden war, fiel das Lieblingsprojekt der Referentin dem Sparhaushalt zum Opfer. Und auch sonst agierte Hartl nicht nur ungeschickt, sondern auch instinktlos: So bewarb sie sich für eine Professur in Linz, ohne den Oberbürgermeister zu informieren und versicherte nachträglich, sie werde München auf jeden Fall erhalten bleiben. Peinlich: Die Berufung aus Österreich blieb leider aus.
Zuletzt ließ Hartl rund 500 000 Euro für ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum, die noch aus dem Haushalt von 2001 stammten, nun endgültig verfallen. Und auch für 2003 fehlt Münchens oberster Kulturaktivistin ein Plan, wie sie ihren Etat von immerhin 146 Millionen Euro über die routinierte Streuung hinaus wirksam und sinnvoll verwenden könnte. Es könnte eng werden für Frau Hartl.
