Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 117

Mädchenträume

Von

GLOSSE

Es war einmal ein hübsches "Junges Mädchen mit einem Wiesenblumen-Hut", das nannte ein Echtheitszertifikat des berühmten Renoir-Kenners Francois Daulte sein Eigen. Dieses Papier ermunterte die Galerie d'Art Moderne im schweizerischen Neuchatel, das Gemälde (35 x 26 cm) von der städtischen Sparkasse "Credit Municipal" im normannischen Rouen zu erwerben. 106000 Euro sollte das Bild kosten - ein Schnäppchen-preis für die zierliche Leinwand des Impressionisten. Doch kaum war der Handel vereinbart, verblich der Renoir-Experte - und damit auch sein Ruhm. Von Zweifeln geplagt, bestellte die Galerie ein Gegen-gutachten. Und in dem fand die Kleine mit dem Blumenhut beim Pariser Wildenstein-Institut keine Gnade: Es verweigerte den Eintrag ins Renoir-Werkverzeichnis. Arm dran ist jetzt die Bank. Ein Gericht in Rouen erklärte den Kaufvertrag für ungültig: Renoir weg, Käufer weg, Geld weg. Schließlich hatte man dem (mittlerweile verschwundenen) Eigentümer des Bildes einen Kredit gewährt und den "Renoir" als Sicherheit akzeptiert. So können Mädchen-Träume verfliegen.