Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 114
Grappa, Tee und dubiose Drucksachen
Von
Affäre: Der Mannheimer Kunsthallenchef Rolf Lauter steht unter Untreue-Verdacht
Am 6. Januar 2002 gab's Pinot Grigio und Pfefferminztee zum Essen im Museumsrestaurant "Triangolo". Am 13. Februar wurde Kamillentee und Haus-Grappa zum Diner gereicht: 67,50 Euro. Die Quittungen für die Arbeitsessen mit einer gewissen "Fr W." wurden von Rolf Lauter selbst abgezeichnet, damals Vize-Chef des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, seit November 2002 Direktor der Mannheimer Kunsthalle. Fast täglich war Lauter Gast im eigenen Haus. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Untreue gegen den Beamten.
Der Wirt vom "Triangolo", mit dem der alerte Macher vom MMK ein Gegengeschäft für die kostenlose Bewirtung bei Arbeitsessen ausgehandelt hatte, stellt nun Nachforderungen von 51 086 Euro. Lauter und einige Mitarbeiter hätten private Mittagessen auf das Museum anschreiben lassen.
Auch die Geschäfte mit Frau W. werden nun überprüft. Sie hat, von Lauter bewilligt, über 56000 Euro überwiesen bekommen - und zwar, so der Vorwurf, durch Stückelung an der Vergabe-Kommission vorbei. Es geht um angeblich verschwundene Postkarten-Entwürfe und um die Überwachung von Druck- und Buchbindearbeiten für ein James-Turrell-Projekt, bei dem es nichts zu Drucken und zu Binden gegeben habe. Insgesamt soll Lauter in Frankfurt 110000 Euro Soll verursacht haben.
Er selbst allerdings sieht sich als Opfer falscher Vorwürfe und will die Sache "schnell aufklären". Angeblich erfuhr er von den Vorwürfen erst aus der "Frankfurter Rundschau". "Bild" druckte Quittungen ab. Das Publikum war also mit Material zur Affäre versorgt. Die Mannheimer Kulturbehörde aber wurde trotz Nachfrage von den Frankfurter Kollegen nicht offiziell über das Verfahren informiert.
Bild(er):
Bild: Museumsmann in Erklärungsnöten: Als Rolf Lauter von Frankfurt nach Mannheim ging, hinterließ er viele offene Fragen
