Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 116
Update der Postmoderne
Von
Architektur: In Stuttgart wurde das Haus der Geschichte eröffnet - das Pendant zur Neuen Staatsgalerie
Fast zwei Jahrzehnte nach der Eröffnung der Neuen Staatsgalerie wurde die von James Stirling für Stuttgart geplante Kulturmeile vollendet. 1984 war der spektakuläre Museumsbau eingeweiht worden, der heute als Ikone der postmodernen Architektur gilt. Der Rest des geplanten Ensembles aber fiel zunächst Sparmaßnahmen zum Opfer.
Schon im September vergangenen Jahres war die Musikhochschule fertig gestellt worden, jetzt wurde auch das Haus der Geschichte Baden-Württemberg eröffnet. Michael Wilford, Büropartner des 1992 gestorbenen Stirling, hat die Pläne mit seinem deutschen Kollegen Manuel Schupp wei-terentwickelt und die aus der Mode gekommenen postmodernen Spielereien kurzerhand getilgt. Baukörper und Fassadenfarbe verweisen zwar noch auf Stirlings Kunsttempel, im Detail aber zeigt sich das Haus der Geschichte als zeitgemäße Architektur.
Eine große Glasfront im Erdgeschoss sowie ein riesiges Fenster öffnen den Bau zur Außenwelt, im Inneren regiert ein mutiges Farbkonzept mit weiten Flächen in Blau, Rot und Violett. Wilford und Schupp haben einen Museumsbau realisiert, der durch Öffnungen in den Decken kluge Bezüge zwischen den Ausstellungsstücken in den verschiedenen Etagen ermöglicht: Geschichte zeigt sich hier als das Fundament der Gegenwart, so wie das Gebäude selbst zwar an die Postmoderne erinnert, aber gleichzeitig ein gelungener Beitrag zur zeitgenössischen Architektur ist.
Bild(er):
Bild: Neubau in Stirlings Ensemble: Haus der Geschichte von Wilford/Schupp
Bild: Links: James Stirlings Neue Staatsgalerie, hinten (mit Turm) die Musikhochschule. Das Haus der Geschichte (Mitte) schließt das Ensemble ab
