Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 119
Der Kampf um die Smileys
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Design: Führende deutsche Grafiker machen gegen das WM-Logo mobil
Als das Logo der FußballWeltmeisterschaft 2006 im November vorgestellt wurde, herrschte noch ausgelassene Stimmung. Internationale Prominenz hatte sich in der Arena "Auf Schalke" versammelt, Andre Heller bot alle Mittel mul-timedialen Budenzaubers auf. Da schwebte es herein: drei bunte, lachende Mondgesichter, die an den "Smiley" erinnern und bei genauem Hinsehen die Ziffern 006 darstellen. Darunter die Umrisse des Weltpokals. Links noch ein Halbkreis in Schwarz-Rot-Gold, schließlich der Schriftzug.
Innenminister Otto Schily lobte die "sehr gute Ausstrahlung" des Entwurfs. Joseph Blatter, Chef des Internationalen Fußballverbandes FIFA, schloss spontan "den kleinen, listigen Kerl ganz oben" in Herz. Das Logo strahle, so ließen die Organisatoren verlauten, "Freude, Heiterkeit und Emotionen" aus. Ansteckend solle es wirken, begeisternd, mitreißend.
Emotionen löste das Logo in der Öffentlichkeit denn auch wirklich aus - allerdings kaum heitere. Die "Frankfurter Rundschau" tadelte den überladenen Entwurf als "grobschlächtig" und "wenig eingängig", der "Spiegel" fand ihn "infantil", das Design-Fachmagazin "Form" zog die rote Karte: "So schwach wie dieses Zeichen waren Rudis Jungs nicht einmal in ihren schlechtesten Zeiten." Brasiliens größte Zeitung "O Globo" glaubte gar, einschlägige Ecstasy-Pillen zu erkennen. Das Urteil war einmütig: Eigentor fürs deutsche Design.
Verantwortlich für das Logo zeichnen die beiden Hausagenturen von DFB und FIFA: Abold aus München und Whitestone aus London. Sie mussten nicht nur ätzende Kritik über sich ergehen lassen, sondern bekommen jetzt sogar Konkurrenz. Unter dem Motto "Noch ist nichts verloren" haben sich elf deutsche Designer und Agenturen zusammengetan. Im März wollen sie Alternativen vorlegen zum "Kiosk der Symbole", wie die Initiatoren Klaus Hesse und Fons Hickmann das Signet nennen. Ein Logo müsse auf den ersten Blick erfassbar sein. "Neben der Vollgestopftheit gefällt uns auch die ganze Haltung nicht", sagt Hesse. "Man kann durch fröhliche Gesichter keine fröhlichen Fans erzeugen."
Unter den elf Design-Jokern sind alte Hasen wie der legendäre Plakatentwerfer Uwe Loesch, aber auch junge Büros wie Moniteurs aus Berlin. Doch selbst wenn ihnen überzeugende Alternativen gelängen - hätten diese auch nur den Hauch einer Chance, umgesetzt zu werden? "Wir rechnen nicht damit", gibt sich Hesse realistisch. "Aber wir werden DFB-Vertreter zur Präsentation einladen."
Widerstand regt sich auch anderswo. Im Internet kursieren Gegenentwürfe und Verballhornungen. Und die Fachzeitschrift "Form" rief Designer zur Arbeit auf. Nur Erik Spiekermann, Mentor der deutschen Grafikszene, hält nichts von den Aktionen. Zwar findet auch er das Logo "peinlich", doch eine Alternative könne man nur unter gleichen Bedingungen entwerfen.
Schließlich hatten DFB und FIFA klare Anforderungen gestellt: Der Pokal musste vorkommen, außerdem sollte klar "Deutschland" signalisiert und die Heiterkeit jubelnder Fans vermittelt werden. Da verwundert es wenig, dass bei den beiden Hausagenturen Taktik über Spielfreude gesiegt hat.
Internet: www.11designer.de
Bild(er):
Bild: Eigentor für das deutsche Design: Das Logo für die Fußball-WM 2006. Der Entwurf stammt von den Hausagenturen von DFB und FIFA: Abold aus München und Whitestone aus London
