Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 121
Wandel des Zeigens
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Soll man das Publikum vor allem belehren oder doch lieber unterhalten? Museumsleute debattieren seit zwei Jahrhunderten über diese Alternative - dem amerikanischen Historiker James J. Sheehan gelingt beides auf einmal. Fundiert und flüssig erzählt er den Werdegang des Ausstellungshauses von der Öffnung fürstlicher Sammlungen in der Aufklärung bis zum Zerfall des überkommenen, von griechischer Klassik und italienischer Renaissance beherrschten Kunst-Kanons um 1900.
Von höfischen Galerien entwickelten sich die Museumsbauten über die Kunsttempel des Historismus schließlich zu "neutralen Hüllen", in denen die Werke für sich sprechen sollten. Sheehan erklärt den Wandel anhand ästhetischer Konzepte von Kant, Schiller, Hegel oder Nietzsche, liefert staatspolitische und gesellschaftliche Hintergründe und führt vor, wie sie Bauten und Ausstellungskonzepte geprägt haben. Nebenbei erweist sich mancher aktuelle Konflikt, etwa um die Nutzung von Museumsräumen für Firmenjubiläen und Geburtstagsfeiern, als gar nicht so neu: Schon um 1820 war ein Kunstberater Ludwigs I. von Bayern entsetzt, weil der König zwischen den Statuen der Münchner Glyptothek bei Fackelschein Gäste empfangen wollte.
James J. Sheehan: Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Kunstkammer zur modernen Sammlung. Verlag C. H. Beck, München. 368 S. mit 31 Abb. 34,90 Euro
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