Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 110
Schröders Schatzkammer
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Museen: Wie der neue Direktor die ehrwürdige Albertina in Wien zum Publikumsmagneten herausputzt
Sie gehört neben dem Louvre, dem British Museum und dem Berliner Kupferstichkabinett zu den vier Grafik-Sammlungen von Weltruf. Doch jahrelang war die Albertina in Wien ein Sanierungsfall, zeitweilig sogar ein geschlossenes Haus. Am 14. März wird das ehemalige Habsburger Wohnpalais zwischen Oper und Palmenhaus wieder eröffnet - mit neuer Zielsetzung: Aus dem ursprünglichen Sammlungs- und Forschungszentrum soll ein Ausstellungshaus für großes Publikum werden.
"Ich will die Albertina zu einem Weltmuseum machen", bekannte Klaus Albrecht Schröder, seit gut drei Jahren Direktor am Traditionshaus, jüngst dem österreichischen Magazin "Profil" und schob selbstbewußt nach: "Die Neueröffnung kommt einer Neugründung gleich." Schröder, zuvor Direktor des Kunstforums der Bank Austria, steht unter Erfolgsdruck: Vor seiner Amtsübernahme hatten Bund und Stadt 18 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. Der ehrgeizige Kunstmanager schraubte das Bau-Budget auf fast 110 Millionen Euro hoch - wovon er 18 Millionen bei privaten Sponsoren akquirierte.
Dafür hat Schröder jetzt auch viel zu bieten: Erstmals sind die ehemaligen Prunkräume - im 19. Jahrhundert von dem Architekten Josef Kornhäusel im klassizistischen Stil umgebaut - für die Öffentlichkeit zugänglich. Bislang dienten sie dem Museumspersonal meist als noble Büros. Im Musensaal aus Marmor wurden die Statuen mit Schleifpapier und Pinsel aufgefrischt, das berühmte Goldkabinett erhielt eine 24-karätige Auflage, und die kostbaren Tapisserien aus venezianischer Seide wurden neu gespannt.
Mit zwei neuen Ausstellungshallen, jede misst mehr als 1000 Quadratmeter, möchte Schröder aus der Albertina "das attraktivste Ausstellungszentrum" der Wiener City machen. Zur Premiere setzt der neue Chef auf einen Publikumsliebling: "Edvard Munch. Thema und Variation".
Die Schau wird Zeichnungen, Vorstudien und druckgrafische Blätter zu wichtigen Werken des Norwegers zeigen, von dem auch rund 70 Gemälde präsentiert werden. Über 50 Museen stehen auf der Liste der Leihgeber. So hochrangig ist das Ereignis, dass nicht nur der österreichische Bundespräsident vom nahen Heldenplatz herüberkommt, sondern auch die norwegische Königin Sonja aus Oslo anreisen wird. Daneben, und das ist bei Schröder Programm, sollen künftig auch die aktuelle Kunst und die Fotografie im ehrwürdigen Haus nicht nur gepflegt, sondern auch ausgestellt werden. So werden 24 großformatige Blätter aus dem Freud-Zyklus des amerikanischen Malers und Zeichners Robert Longo gezeigt. Er entstand nach Fotos von Sigmund Freuds Wiener Wohnung, die 1938, kurz vor der Emigration des Psychoanalytikers, aufgenommen wurden. Weiterhin geplant: eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Georg Baselitz und eine Retrospektive zum Werk des Wiener Aktionisten Günter Brus.
Weitere Attraktionen im Eröffnungsjahr werden eine große Dürer-Schau sowie ein kostbares Kunst-Medley mit den 100 bedeutendsten Handzeichnungen der Albertina sein - unter anderem mit Blättern von Raffael, Tintoretto, Rubens, Rembrandt und Goya.
Bei so viel erfolgsorientierter Planung wird Klaus Albrecht Schröder die einzige Niederlage mit Fassung zu tragen wissen: Der von nur einem Träger gestützte neue Baldachin über dem Eingang, vom Wiener Architekten Hans Hollein erfunden, wird erst in einigen Monaten den Lockvogel spielen können. Noch kämpfen russische Weltraumtechniker mit der Konstruktion des 64 Meter ausladenden Flugdachs aus Titan.
Internet: www.albertina.at
Bild(er):
Bild: Von der geschlossen Anstalt zum offenen Haus: Klaus Abrecht Schröder im "Musensaal" der Wiener Albertina
Bild: Jetzt geöffnet: das Goldkabinett in den Habsburgischen Prunkräumen
Bild: Bereitet Schwierigkeiten: das neue Portal von Hans Hollein (Modell)
