Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 112
Das Ende des "bitteren Feldweges"
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Sparmaßnahme: Der Kulturpalast der Chemiestadt Bitterfeld - einst Tatort sozialistischer Kunstpolitik - soll geschlossen werden. Die Zukunft der Sammlung ist ungewiss
Greif zur Feder, Kumpel!", erscholl es im April 1959 aus dem nagelneuen Kultur-palast in Bitterfeld. Hier, im ehemaligen Betriebshaus des Elektrochemischen Kombinats, beschloss die SED-Führung auf der "1. Bitterfelder Konferenz" ihre Version des Kulturkampfes: Fortan sollte es keine Kluft mehr zwischen Proletariat und Künstlern geben. Maler wurden in die Betriebe abkommandiert und "schreibende Arbeiter" verfassten Gedichte am Fließband.
Jetzt steht die Geburtsstätte des "Bitterfelder Wegs" (der unter Künstlern bald der "bittere Feldweg" genannt wurde) vor dem Aus. Die Stadt, so heißt es, habe kein Geld für die nötige Sanierung der Brandschutzsysteme, und Investoren seien auch nicht in Sicht. Überhaupt blickte die einstmals we- gen ihrer verpesteten Luft berüchtigte Chemiestadt nach 1989 eher schamvoll auf das neoklassizistische Bauwerk aus der Stalin-Ära. Erst jetzt wird allmählich dessen historischer Wert erkannt. Gleich im Foyer begrüßt Walter Dötschs monumentales Huldigungsbild an die Brigade "Nikolai Mamai", die hier 1959 unter dem Motto "Auf sozialistische Weise arbeiten, lernen und leben" ihre Kampagne zur Planerfüllung startete. Das Werk ist nur ein Beispiel aus einer großen Sammlung von Sittengemälden des DDR-Alltags. "Die Kunstwerke sind hier an ihrem einzig richtigen Ort", sagt Kulturhausleiter Reiner Waag. "Mit der Schließung wäre ein Kultur- und Baudenkmal dem Verfall preisgegeben."
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Bild: Tempel des Sozialistischen Realismus: der Bitterfelder Kulturpalast
