Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 10-11
Wohin mit den Dingen?
Von
Die Kölner Möbelmesse ähnelte in diesem Jahr einem Seminar. Zwei Thesen wurden zur Diskussion gestellt - genauer: zwei "ideale Häuser", von renommierten Designern auf Zeit errichtet. Der New Yorker Karim Rashid zelebrierte bunte Retro-Träume - der allgemein pessimistischen Stimmung setzte er ein verschwenderisch ausgestattetes Plastik-Paradies entgegen. Den Nerv der Zeit traf aber eher sein Münchner Gegenspieler Konstantin Grcic, der schlicht und einfach etliche Regale rundum übereinander stellte, und den Raum in der Mitte freiließ. Ein zwar sperriger, aber durchaus hintersinniger Entwurf: Der moderne Mensch ist nun einmal permanent damit beschäftigt, Dinge anzuhäufen - erst ein Übermaß an Stauraum verschafft ihm wieder Luft zum Atmen. Aufbewahrungsmöbel jeglicher Art waren denn auch das heimliche Thema der Messe.
Bild(er):
Bild: Das ideale Haus stellt sich Konstantin Grcic als Regallager vor: Alles wird verstaut, die Leere verschafft Freiheit
Bild: Der gute alte Zeitungsständer hat einen zeitgemäßen Nachfolger bekommen. Der "Lochklotz" der Kölner Firma "Klotzgut" erinnert zunächst an einen Schweizer Käse. Doch die runden Öffnungen haben einen praktischen Zweck. Zeitungen und Magazine werden zusammengerollt und hineingesteckt. Neben dieser Variante auf Rollen ist der "Lochklotz" auch als Modul für ein Schranksystem zu haben
Bild: Wie kann man CDs stilvoll unterbringen? Mit der "Space Bar" für Dornbracht ist Christophe Pillet eine elegante Lösung gelungen - nicht nur für die silbernen Scheiben
Bild: Der Entwurf des Designers Karim Rashid bildet die radikale Antithese zu Grcics Wohn-Lager: Hier gibt es keine Schränke, aller Stauraum gehört dem Menschen, der sich in einer großzügigen, poppig-nostalgischen Wohnlandschaft genüsslich ausbreiten kann
Bild: Heimische Lichtspiele von Interlübke: Per Fernbedinung lässt sich die Farbe des Schranks "eo" wechseln
Bild: Schrank mit Knautschzone: Die Seiten sind mit wurmförmigen Kissen gepolstert. Sie verleihen dem Möbelstück außerdem eine organische, skulpturale Qualität. Der Designer ‚ngel Ricardo Ricardo Rios stammt aus Kuba. Er besuchte die älteste Kunstschule von Havanna und lebt heute in Mexiko-Stadt
Bild: Ein seltenes Beispiel für interessantes Design aus Österreich: Stefan Bartel und Erich Gaffal entwarfen den Rollcontainer "drive" für ihre Linzer Firma "mocca". Wer eine Schublade öffnen will, greift in den roten Kreis
