Ausgabe: 03 / 2003
Seite: 6

Bilderstreit

Von

"25 Werke, die jeder kennen muss" - nicht nur Fachleute aus der Kunstszene, auch versierte art-Leser beteiligten sich an dem von der Redaktion angeregten (12/2002)

Alle der 25 gezeigten Werke muss man eigentlich nicht wirklich kennen ... Einige vielleicht schon. Ich würde so einen pseudoobjektiven Kanon spannender finden, wenn Sie die Leserschaft in irgendeiner Form an der Auswahl beteiligt hätten. Vielleicht nächstes Mal?

Dr. Victor Svec

25 Werke, die jeder kennen muss! Welch autoritäre und diktatorische Diktion. Wir "müssen" so viel, viel zu viel, in unserer Gesellschaft, nun "muss" ich auch noch die Kunstwerke kennen, die art mir vorschreibt, von "Experten" ausgewählt. Damit ich ja "in" und im "Trend" bin und im "Zeitgeist" liege!

Das ist eine der Qualitäten der Gegenwartskunst, dass es eben keinen Kanon gibt. Und der Unfug des "Rankings" des Kunstmarktes ist genauso widerlich. Von ihrem Vierteljahrhundert-Sammelsurium kenne ich gerade die Hälfte: Also was für ein Ignorant ich doch bin; nach sechzig Jahren Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst weiß ich noch immer nicht, was gerade "Mode" ist!

Dr. Günther Feuerstein, Wien

In dem von Ihnen ausgerufenen "" scheinen Sie zu übersehen, dass Bilder nicht für den Streit gemacht sind und Kunst, wenn schon nicht von "Können" so sicherlich noch weniger von "Kunstbegriff" kommt. Die von Ihnen ermittelte Auswahl so genannter "Mei-lensteine" der Gegenwartskunst vermag doch letztlich nicht mehr, als die Saisonmoden der letzten Jahre zu spiegeln.

Und steht das Bedürfnis nach einem Bildungs-, einem Literatur- und nun gar einem Kanon zeitgenössischer bildender Kunst nicht dem besonderen Reiz der Gegenwartskunst entgegen, Bildfindungen außerhalb kunstgeschichtlicher Etablierung und redaktioneller Übereinkünfte zu ermöglichen?

Auch hätten Sie vielleicht bedenken sollen, dass der Anspruch künstlerischer Hochleistungen in erster Linie kaum darauf zielt, "den Kunstbegriff voranzubringen", seine Erfüllung vielmehr in einer geistigen Auseinandersetzung findet, die alle Begrifflichkeit - und erst recht jeden akademischen Kunstbegriff - transzendiert.

Martin Weyers, Heidelberg