Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 93
Entdeckungen
Von Boris Hohmeyer
AUSSTELLUNGEN IM FEBRUAR - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / BERLIN: MENSCHEN, ZEITEN, RÄUME. ARCHÄOLOGIE IN DEUTSCHLAND / Im Martin-Gropius-Bau zeigen die deutschen Archäologen, was sie alles können
Fast 5000 Objekte - das klingt nach planlosem Größenwahn. Doch hier gehört die Fülle zur Botschaft: "Menschen, Zeiten, Räume" im Martin-Gropius-Bau ist eine Leistungsschau der deutschen Archäologie, veranstaltet vom Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, der Bonner Bundeskunsthalle und allen 16 archäologischen Landesämtern. Eindrucksvoll wird da für ein nur vermeintlich angestaubtes Fach geworben. Was in den letzten 25 Jahren aus dem Boden geholt wurde, belegt: Das Zeitalter der ist noch längst nicht vorbei.
Mancher Fund kann sogar noch Glaubenssätze der Geschichtswissenschaft erschüttern. So waren technische Errungenschaften wie die Wassermühle auch nach dem Abzug der Römer nicht vergessen; Antike und Mittelalter gingen bruchloser ineinander über als bisher vermutet. Schlagzeilen haben Funde wie die Tierfossilien aus der Schiefergrube Messel oder die keltischen Fürstengräber von Hochdorf und vom hessischen Glauberg gemacht, doch die meisten Stücke waren überregional bislang kaum bekannt: Keramik und Schmuck von der Jungsteinzeit bis zur Renaissance, bronzene Kleinbüsten aus den römischen Provinzen, der älteste Holzbau Deutschlands, oder ein 7000 Jahre alter Brunnen aus Eichenbohlen, der in einem Klimazelt erstmals öffentlich ausgestellt ist.
Auch unscheinbare Objekte hat das Stuttgarter Büro Brückner insgesamt publikumswirksam arrangiert. Der Wechsel von Bodenbelägen und Wandfarben erfrischt Raum für Raum die Aufmerksamkeit und Pläne lassen die Lage von Grabbeigaben am Fundort nachvollziehen. Stellenweise allerdings nervt die Inszenierung durch schlecht einsehbare Vitrinen und eine Erlebnis-Akustik mit Pferdegetrappel, Axthieben oder Chroniklesung. So düster die Hermannsschlacht mit rund 30000 Toten gewesen sein mag - die Funde im niedersächsischen Kalkriese bräuchten darum nicht in pathetischer Finsternis zu versinken.
Termin: bis 31. März, dann 9. Mai bis 24. August Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepulik Deutschland, Bonn. Katalog: Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 24,90 Euro (im Buchhandel 34,90, ab 1. September 2003 39,90 Euro). Ausstellungsführer 5,80 Euro. Internet: www.archaeologie-in-deutschland.de
Bild(er):
Bild: Frührömische Grabbeigabe aus Haltern
