Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 93
Spülen müssen alle
Von Adrienne Braun
AUSSTELLUNGEN IM FEBRUAR - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / BADEN-BADEN: "DISSIMILE" / Die Staatliche Kunsthalle zeigt eine Ausstellung junger europäischer Kunst
Europa hat den Euro. Ob es es aber auch eine neue gemeinsame "kulturelle Währung" gibt, fragt die aktuelle Ausstellung. Doch sie zeigt sich so abstrakt wie ihr Konzept, so verwirrend wie das vereinte Europa und so bemüht wie die internationale Verständigung. Die drei Kuratoren Fritz Emslander, Ludger Hünnekens und Matthias Winzen haben aus den verschiedensten künstlerischen Sparten Beiträge ausgewählt, die sich mit Europa beschäftigen. "Dissimile. Prospektionen: Junge europäische Kunst" nennt sich die Unternehmung, und der zweigeteilte Titel verrät die These schon: Die junge europäische Kunst sei sich ähnlich und unähnlich zugleich.
Werbung jedenfalls scheint unähnlich, dissimilär, in Europa. Das zeigt der Schweizer Daniel Pflumm in seiner Videoarbeit "Europäischer Hof", in der er Werbespots von BMW für den neuen Mini aneinander geschnitten hat, die sich jeweils an länderspezifischen Vorlieben orientieren. Das Schicksal des täglichen Haushalts aber - spülen, staubsaugen und wischen - tragen Deutsche, Franzosen und Italiener brüderlich: Der Schwede Peter Geschwind hat einen Raum aus Verpackungskisten von Maggi, Sharp und Chicoree gebaut, in dem er sein Video mit Haushaltstätigkeiten zeigt.
Welche Konflikte das vereinigte Europa mit sich bringt, können am ehesten die Beiträge aus Osteuropa vermitteln. Mindaugas Rataviciius kontrastiert in einer Fotoserie einen traditionellen litauischen Markt voller Leben mit einem sterilen Einkaufscenter. Und der polnische Künstler Wilhelm Sasnal hat einen Kühlschrank mit offener Tür gemalt. Die Verheißung des Westens war trügerisch - der Kühlschrank ist leer.
Das Gros der Arbeiten aber behandelt Themen, die nur mit viel gutem Willen einen Bezug zur "kulturellen Währung" Europas haben. So hat etwa die dänische Künstlergruppe "Force 4" Strategien entwickelt, verseuchte Gebiete mit heimischen Pflanzen zu renaturieren und wieder nutzbar zu machen. Schön und gut, aber warum trägt das zur kulturellen Währung Europas bei? Der Beliebigkeit ist in Baden-Baden Tor und Tür geöffnet, die kunterbunte Auswahl wird der hoch komplexen Einheit des neuen Europa nicht einmal im Ansatz gerecht. Gut gedacht, schlecht gemacht.
Termin: bis 16. Februar. Katalog: Baden-Baden 2002, 12 Euro. Internet: www.Kunsthalle-Baden-Baden.de
Bild(er):
Bild: Eine von 500 Ansichten der europäischen Hauptstadt: "Bruxelles diaporama" (2000) der Französin Isabelle Arthuis
