Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 111

Kunstwerke als Kreditsicherheit?

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Kulturpolitik: In Hessen wird ein neues Verwaltungssystem eingeführt - mit gravierenden Folgen für die Museen

Nun will das Land Hessen Kulturgut messbar machen: Mit der eingeführten Neuen Verwaltungssteuerung wird der finanzielle Wert von Sammlungsstücken aller Landesmuseen ermittelt. Ob Goldmünzen oder ausgestopfte Tiere, Rembrandt oder Beuys: Alles muss nun penibel erfasst und nach wirtschaftlichen Kriterien aufgelistet werden. Das treibt absurde Blüten. So gibt es für viele Sammlungsstücke gar keinen realen Markt - also auch keinen messbaren Wert. Und ein restaurierungsbedürftiges Werk macht künftig Minus, weil es nicht ausgestellt werden kann und Kosten verursacht.

Das komplizierte System droht fast die Museumsarbeit zum Erliegen zu bringen. "Wir können eigentlich den Laden schließen, weil wir nur noch damit beschäftigt sind", klagt Volker Rattemeyer, Direktor des Landesmuseums Wiesbaden. Zudem fürchten die Leiter der hessischen Museen auch um die inhaltliche Freiheit ihres Programms. Die Durchsetzung der "Neuen Verwaltungssteuerung" könnte bedeuten, dass statt Qualität künftig nur noch die Rentabilität von Ausstellungen zählt.

Noch brisanter ist allerdings die Frage, warum Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und seine Kultusministerin Ruth Wagner (FDP) überhaupt so genau wissen wollen, welche Werte in den hessischen Landesmuseen lagern. Die düstere Ahnung der Museumsdirektoren: Kulturschätze könnten künftig als Guthaben im Landeshaushalt geführt werden - etwa als Sicherheiten für Kredite, die in letzter Konsequenz auch veräußert werden könnten. Auch wenn Ministerin Wagner sich in einer Erklärung deutlich von derartigen Plänen distanziert hat, liegen den Museen schon jetzt Formulare vor, auf denen Zu- und Abgänge aufgelistet werden sollen.

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Bild: Direktor Volker Rattemeyer