Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 111

Abriss per Ministererlass

Von

Architektur: Im Frankfurter Westend soll Egon Eiermanns denkmalgeschütztes Hochhaus einem Neubau weichen

Denkmalschutz bewahrt nicht vor Abriss: Jüngstes Beispiel dafür ist das im Frankfurter Westend errichtete Hochtief-Hochhaus des renommierten Nachkriegs-Architekten Egon Eiermann (1904 bis 1970). Die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Ruth Wagner, erteilte nach monatelangen innerstädtischen Querelen dem Magistrat jetzt die Anweisung, dem Abbruchantrag des Baukonzerns Hochtief zuzustimmen.

Das Unternehmen will den 83 Meter hohen sanierungsbedürftigen Eiermann-Bau durch einen 99 Meter Doppelturm ersetzten, der 20 Prozent mehr Nutzfläche bieten soll. Zwar stuft auch FDP-Politikerin Wagner den 1968 an der Bockenheimer Landstraße gebauten Büroturm als "bedeutenden Bau der Hochhausentwicklung der Bundesrepublik" ein, doch seien in dieser Gegend früher auch schon Gründerzeit-Villen abgerissen worden, die "nach heutigem Denkmalschutzrecht ebenfalls Kulturdenkmäler wären" so die Ministerin. Gute Bürobauten aus den Jahren 1955 bis 1975 seien in der Main-Metropole ohnehin bald kaum noch zu finden, klagt Peter Cachola Schmal, Kustos am deutschen Architekturmuseum. Denn nicht zum ersten Mal fällt hier ein historisch wertvolles Nachkriegsgebäude.

Erst im vergangenen Jahr wurde das Zürichhaus von Werner Stücheli und Udo von Schauroth am Opernplatz dem Erdboden gleich gemacht. Auf dem Gelände befindet sich inzwischen ein Parkplatz. Der damals angeblich so dringend erforderliche Neubau ist bis heute nicht in Sicht.

Wie ernst die Neubaupläne der Manager von Hochtief sind, wird sich erst noch zeigen. Schließlich berichten Makler von einer aktuellen Leerstandsquote, die mit 4,4 Prozent annähernd doppelt so hoch ist wie noch 2001.

Bild(er):

Bild: Denkmal vor dem Fall: HochtiefBürohaus von Egon Eiermann

Bild: Ruth Wagner