Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 121
Mister Museum
Von
Der Mann wäre in seiner Zeit für jede Stadt ein Glücksfall gewesen. Dass Alfred Lichtwark (1852 bis 1914) erster Museumsdirektor in seiner Geburtsstadt Hamburg wurde, sollte sich geradezu als Segen auswirken: Der ebenso ehrgeizige wie willensstarke Müllersohn legte in der künstlerischen Diaspora eine Saat, die bis heute reiche Früchte trägt. Er holte die lange gering geschätzte Sakralkunst des Mittelalters zurück, legte wichtige Werkblöcke von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge an und verschaffte durch sein Engagement für Paul Cezanne, Auguste Renoir, Max Liebermann und Wilhelm Leibl der Kunsthalle Anschluss an die Moderne. Zum 150. Geburtstag hat der Autor Rudolf Großkopff eine ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsam geschriebene Biografie verfasst, die bei aller Wertschätzung für den Helden doch auch kritische Anmerkungen nicht scheut.
Mit Verve zeichnet Großkopff das Bild eines frühen Museumsmannes, dem es nicht nur um Kunst und Künstler ging, sondern der sich kämpferisch für eine deutsche Kulturnation einsetzte. Wobei dem Generalisten Lichtwark die Fortbildung der Lehrer ebenso wichtig war wie die Anlage des Stadtparks. Die von der "Zeit-Stiftung" herausgegebene Biografie ist weit mehr als der erwartete Griff in die Geschichte - sie gibt spannende Einblicke in die Gründerzeit.
Rudolf Großkopff: Alfred Lichtwark. Aus der Reihe "Hamburger Köpfe". Ellert & Richter Verlag, Hamburg. 144 Seiten mit 36 Abb. 14 Euro
