Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 117
Kunsthändler in der Kulturwüste
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Messe: Die Art Basel wagt den transatlantischen Brückenschlag nach Miami
Wie ein Raumschiff vom anderen Stern landete die Art Basel in Miami Beach. Das Ibiza Amerikas mit seinen bonbonfarbenen Art-Deco-Hotels und kilometerlangen Palmenstränden ist als Partymekka bekannt, nicht aber als Marktplatz für internationale Kunst. Die Schweizer hatten den Standort für ihren neuen US-Ableger denn auch nicht wegen des sonnigen Tropenklimas gewählt, sondern weil sie hofften, in der Kulturwüste Südfloridas mehr Eindruck zu machen als in New York oder Chicago, wo es bereits etablierte Messen gibt. Zumal Art-Basel-Chef Samuel Keller das ganz und gar unbescheidene Ziel hat, die Messe in Miami zur "wichtigsten Schau für zeitgenössische Kunst auf dem amerikanischen Kontinent" zu entwickeln.
Die Schweizer organisierten das Ereignis wie einen Eroberungsfeldzug: Flächendeckende Werbung vom Flughafen bis zum Strand, die Stellwände eigens aus Basel, das Licht aus Chicago, die VIP-Karossen von BMW. Die 150 handverlesenen Galerien, von Jan Krugier (Genf), Lelong (Paris) und Gmurzynska (Köln) bis zu Jungdealern wie der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts, mussten für die Ehre dabei zu sein bis zu 55000 Dollar Standgebühren zahlen. Dafür brachten sie hauptsächlich Gegenwartskunst von hoher Qualität, aber geringem Risikopotenzial mit.
Miamis Sammler öffneten ihre Privathäuser für Besichtigungen, die Museen koordinierten ihre Ausstellungseröffnungen mit dem Messetermin. Am Ende wurden 30000 Besucher gezählt. Ein Erfolg. Der "Miami Herald" kürte die Messe denn auch gleich zum "Dom Perignon der Kunst-Events" und die "New York Times" sah einen Katalysator für die "künstlerische Geburt" der Region.
Doch die Art Basel ist kein Entwicklungshilfe-Unternehmen. Die Messeidee wurde vom Markt diktiert. Viele europäische Kunsthändler machen inzwischen ihr größtes Geschäft mit Amerikanern. Und die scheuen seit den September-Attentaten von 2001 Flugreisen nach Europa. Laut Aussagen der Aussteller ging Gegenwartskunst der unteren und mittleren Preisklasse gut, während Spitzenwerke der Klassischen Moderne mit Preisen über einer Million Dollar kaum Abnehmer fanden. Der Düsseldorfer Händler Hans Mayer hatte mit dem Verkauf von drei Graphitzeichnungen von Robert Longo für 150000 Dollar und einer Tom-Wesselmann-Arbeit für 115000 Dollar die Reisekosten raus. Ob die Basler Galerie Beyeler im nächsten Jahr wiederkommt, ist dagegen ungewiss. Zwar drängten sich viele, um das schöne Rothko-Gemälde "Maroon on Blue" zu bewundern. Aber mit einem Preisschild von 8,5 Millionen Dollar blieb das Werk ebenso wie die meisten anderen Mitbringsel aus Basel unverkauft.
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Bild: Gucken kostet nichts: Messebesucher auf der ersten Art Basel in Miami Beach zeigten sich neugierig - hier bei einer Skulptur von Ernesto Neto der Galerie Tanya Bonakdur, New York
Bild: Promis in Miami: Designer Karl Lagerfeld und Journalistin Ingrid Sischy
