Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 119
Kaputtgeschrumpft
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Verlage: Dornier schließt seine Kunstverlage in Leipzig und Berlin - darunter den Verlag E. A. Seemann
Konzentration auf die Kernkompetenzen" heißt ein modernes Wort. Manager benutzen es gerne, wenn sie sich aus Gebieten zurückziehen, von denen sie keinen blassen Schimmer haben. So wie Silvius Dornier und sein Geschäftsführer Olaf Carstens vom Verlegen von Kunstbüchern. Dornier macht künftig nur noch in Esoterik und Religion, in buddhistischer und praktischer Lebenshilfe. Der Berliner Henschelverlag, die Edition Leipzig und der Verlag E. A. Seemann ebenda werden im März geschlossen. Es seien, so der Geschäftsführer, keine "Cash Cows" gewesen.
Anfang der neunziger Jahre hatte Dornier die traditionsreichen ostdeutschen Verlage von der Treuhand erworben. Sie hatten einen glänzenden Ruf, waren Marken, auf die man hätte bauen können. E. A. Seemann etwa, gegründet 1858, ist der älteste deutsche Kunstverlag. Hier erschien der legendäre Thieme/ Becker - das beste Nachschlagewerk für Künstlerbiografien. Das sechsbändige Lexikon der Kunst von Seemann, erschienen bis 1994, ist in seinen Nachwendeteilen bis heute allen überlegen. Dornier aber wurstelte ohne Visionen dahin. Die Rechte am neuen Allgemeinen Künstlerlexikon wurden an den Verlag K. G. Saur übergeben, Ruhmesblätter der Geschichte als Broschur noch mal verwertet. Die Programme aber wurden dünner und dünner. Nie auf Kurs gebracht, : Für die Leipziger Verlage musste man jetzt nur noch sechs Kündigungen schreiben.
Es heißt, bei Dornier habe man sich mächtig gewundert über die Empörung, die die Schließung der Traditionsverlage hervorgerufen hat. Und da ahnte man plötzlich, was man hatte. Jetzt sucht man doch nach einem Käufer. Vielleicht findet sich endlich einer, der eine Ahnung hat vom Kunstbuchverlegen.
