Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 88
Immer in einem anderen Licht
Von Kira Van Lil
AUSSTELLUNGEN IM FEBRUAR - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / HEILBRONN: JEPPE HEIN - "TAKE A WALK IN THE FOREST AT SUNLIGHT" / Im Kunstverein inszeniert der dänische Künstler drei interaktive Situationen
Wer eine Ausstellung von Jeppe Hein besucht, sollte sich auf Überraschungen gefasst machen. Der 28-jährige dänische Künstler stellt keine Werke aus, die in Ruhe zu besichtigen wären. Vielmehr wird der Besucher selbst zum Akteur. Ob er will oder nicht - er löst Prozesse aus, die ihn selbst zu einem Teil der Ausstellung machen.
So geschah im Frankfurter Kunstverein vor zwei Jahren Folgendes: Kaum hatte der ermattete Ausstellungsbesucher auf einer Bank Platz genommen, setzte sich das ganze Ding in Bewegung und fuhr langsam mit ihm durch den Raum. "Moving bench 2" ließ sich nicht lenken, und nichts konnte sie stoppen, es sei denn, man stand auf. So zeigte die Bank ihrem Besitzer den Raum aus immer neuen Blickwinkeln.
Jeppe Hein beschränkt sich darauf, die vorgefundene Situation zu verändern. Doch seine Eingriffe rufen nicht nur Irritation hervor. Mit amüsanter Leichtigkeit vermittelt der Künstler körperlich-räumliche Erfahrungen. Und er kommentiert spielerisch, wie Ausstellungsbesucher sich verhalten.
Manchmal wurden Kunstinteressierte schon beim Betreten des Museums verunsichert. Vor zwei Jahren hatte Hein die Eingangstüren zum Alten Hauptzollamt in Frankfurt, in dem eine Gruppenausstellung stattfand, so manipuliert, dass man sie nicht bedienen konnte. Sie öffneten sich nur selbständig - und zwar unberechenbar. Wer die Ausstellung sehen wollte, musste den richtigen Moment abpassen und sich trauen, auch wenn er für eine Weile eingeschlossen werden konnte. Während manche frohgemut auf das Spiel eingingen, fühlten sich andere gemaßregelt. Hein machte das Betreten des Kunstgebäudes zum Thema - im übertragenen Sinn kann man dies als Bild für den unterschiedlichen Zugang zur Kunst lesen: Der eine bringt viel Offenheit mit und lässt sich gerne auch auf sperrige Kunst ein, der andere ist in seinen Erwartungen festgefahrener und fühlt sich schnell verschaukelt. Und für manchen ist die Hemmschwelle einer Kunstinstitution unüberwindbar.
Immer andere Medien findet der in Berlin lebende Künstler für seine Kommentare zum Ausstellungsbetrieb: Für eine Gruppenausstellung in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst entwickelte er im Frühjahr des vergangenen Jahres ein Beleuchtungssystem, mit dem das sich verändernde Tageslicht erfasst und auf die Neonröhren in den Ausstellungsräumen umgeleitet wurde. Wechselte das Licht draußen, gingen mehr Röhren drinnen an oder aus. Mal war die Ausstellung hell beleuchtet, mal ziemlich dunkel - auf jeden Fall sah man sie ständig "in einem anderen Licht".
Was Jeppe Hein sich nun für den Kunstverein Heilbronn einfallen lässt, verraten wir lieber nicht. Es soll ja eine Überraschung sein.
Termin: 1. Februar bis 23. März. Katalog: 19,80 Euro.
Bild(er):
Bild: Die Lampe geht aus, wenn man den Raum betritt ("No presence", 2003, Durchmesser 70 cm)
