Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 113

Kein Herz für Surrealisten

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Kulturpolitik: Paris war am Nachlass von Andre Breton nicht interessiert - jetzt wird das Konvolut versteigert

Das Herz des Surrealismus schlug in Paris, Rue Fontaine 42. Hier lebte der Schriftsteller Andre Breton, der Motor und Mentor der Bewegung. Er sammelte alles - vorausgesetzt es kam zum magischen Zusammentreffen zwischen ihm und einem Objekt. Alles ist bis heute erhalten: Bilder von Francis Picabia, Pablo Picasso, Max Ernst, Henri Rousseau, Joan Miro finden sich in seiner Wohnung ebenso wie Fotografien von Man Ray und Brassai. Objekte "primitiver Kunst" stehen neben Büchern, Fundstücken, Manuskripten, Flohmarktkram. Seit 1926 trafen sich hier die Surrealisten, verfassten ihre Manifeste, stritten und diktierten die berüchtigten Ausschlüsse aus ihrem Kreis. Hier wurde alles zur Kunst, hier wurde Kulturgeschichte gemacht. Jetzt wird das über all die Jahre bewahrte Ensemble in Lose zerschlagen und versteigert.

Breton starb 1966. Seine Frau Elisa und seine Tochter Aube erbten den gesamten Besitz. Seitdem scheiterten alle ihre Pläne, dieses einzigartige Zeugnis zu einem Museum des Surrealismus zu machen. Weder die Stadt Paris noch der französische Staat signalisierten deutliches Interesse an einer Stiftung, die das gesamte Inventar hätte retten können. Andererseits konnten sich weder Frau noch Tochter entschließen, das Ensemble an ausländische Sammler oder Museen zu verkaufen. Französische Museen konnten sich nur für die Glanzstücke erwärmen. So wurde vom Centre Pompidou anlässlich der großen Surrealismus-Ausstellung in Paris und Düsseldorf der Kunstaltar geordert, der hinter Bretons Schreibtisch an der Atelierwand stand. Aube schenkte ihn dem Haus.

Nun ist das bittere Ende gekommen, die insgesamt über 3000 Objekte werden per Versteigerung im April in alle Winde verstreut. 30 bis 40 Millionen Euro wird das möglicherweise einbringen. Die Werke von Picabia, Ernst oder Miro werden wohl wieder in Ausstellungen zum Surrealismus zu sehen sein. Aber die Steine, Wurzeln und Weihrauchfässer?

Bild(er):

Bild: Letzter Blick in den heiligen Olymp von Breton und seinen Mitstreitern