Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 112

Im Zweifel für den Staat

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Raubkunst II: Wie in den Niederlanden nach 1945 Werke aus jüdischem Besitz verwertet wurden

Wie jetzt durch eine Studie aufgedeckt wurde, hat sich der niederländische Staat nach dem Zweiten Weltkrieg durch Versteigerung von Raubkunst aus jüdischem Besitz um zwei Millionen Gulden bereichert. Nun drohen Schadenersatzforderungen. "Nach heutigem Wert sind das 20 Millionen Euro - und auf dieses Geld hat die jüdische Gemeinschaft ein Recht", verkündet Rob Wurms, Vorsitzender des jüdischen Zentralrats der Niederlande.

Seit 1998 versucht eine Kommission zu klären, ob sich insgesamt 4217 umstrittene Kunstobjekte zu Recht im niederländischen Staatsbesitz befinden. Das ist nur dann der Fall, wenn die Werke im Krieg freiwillig an den Feind verkauft wurden oder sich der Eigentümer nicht mehr ermitteln lässt. Bei ihren Recherchen stieß die Kommission jedoch auf so viele zweifelhafte Fälle, dass beschlossen wurde, die Rückgabepraxis der damaligen Behörden in dieser gesonderten Untersuchung analysieren zu lassen.

Die Studie deckt auf, das bei der "Stiftung Niederländischer Kunstbesitz", die für die Abwicklung verantwortlich war, ein "administratives Chaos" herrschte. Die Suche nach rechtmäßigen Eigentümern hatte auch mitnichten Priorität. Im Zweifelsfall gingen die Interessen des Staates vor.

Was die Stiftung als zweitrangig betrachtete oder was - wie etwa Werke von Jan van Goyen oder Jacob van Ruisdael - bereits reichlich in niederländischen Museen hing, wurde schon sehr bald zu Gunsten der Staatskasse versteigert - rund 4000 Kunstwerke für eben jene zwei Millionen Gulden. Auch wenn sich heute deren ursprüngliche Eigentümer nicht mehr genau ermitteln lassen, steht für Rob Wurms vom jüdischen Zentralrat fest: "Die meiste Raubkunst gehörte Juden, und ob der widerrechtliche Verkauf nun absichtlich geschehen ist oder nicht: Finanziell hat die Regierung von den Juden profitiert." Immerhin signalisiert er Verhandlungsbereitschaft: "Über die Höhe der Schadenersatzsumme lassen wir mit uns reden."