Ausgabe: 02 / 2003
Seite: 6

Wie ich das sehe

Von

Kasper König, Direktor des Museum Ludwig in Köln, kommentiert die "25 Werke, die jeder kennen muss"

S. 24/25, "Die Unvorstellbarkeit des Todes für einen Lebenden", Damien Hirst, 1991. Hier ist Saatchi, der Großmogulsammler und Werber für Margaret Thatcher, ge-meint, why not, guter Aufmacher. Wenn schon Damien Hirst - ich hätte eine Pharmaarbeit in Betracht gezogen. Ja der Haifisch, der hat Zähne, doch die Zähne sieht man nicht. Young British Artists/Goldsmith Gallery/Turner Prize, da wäre Sarah Lucas, als Aufmacher genommen (postfeministische Kunst), mehr unter die Haut gegangen.

S. 26, "Portrait", Thomas Ruff, 1988. Bei Ruff definitiv die kleinformatige Porträtserie - mindestens 7-9 Abbildungen, um den Lesern den Index seiner Studentengeneration zu vermitteln.

S. 27, "Strahlenbaby-Button", Keith Haring, 1983. Keith Haring, absolut o.k. - jedoch entweder Graffiti in der Subway oder der Button am Revers.

S. 28, "Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken", Martin Kippenberger, 1984. Kippenberger 1A-Wahl - riecht nach England 1914! Interessant. "Der Lauf der Dinge",

Peter Fischli und David Weiss, 1985 bis 1987. Fischli/Weiss o.k.

S. 29, "Nan und Brian im Bett", Nan Goldin, 1983. Nan Goldin - muy romantico - ein Quentin-Tarantino-Film wäre für 1983 signifikanter.

S. 30, "Haus", Rachel Whiteread, 1993. Rachel Whiteread - sehr gut - formalistisch perfekt.

S. 31 "Tabu", Neo Rauch, 2001. Neo Rauch - gut.

S. 32, "Lutz und Alex sitzen in den Bäumen", Wolfgang Tillmans, 1992. Prima. Dennoch hätte ich eine Faksimile-Seite aus dem iD-Magazin vorgezogen, dann wäre der gute Kommentar noch verständlicher.

S. 33, "Das Hotel", Sophie Calle, 1981. Sophie Calle - o.k.

S. 34, "C'est la vie - Einkaufstüten", Sylvie Fleury, 1990; "Nantes-Triptychon", Bill Viola, 1992. Bei Sylvie Fleury - als Shoppingzitat o.k. - sonst aber eher marginal, bei Viola hingegen sträuben sich mir die Nackenhaare - fürchterlicher Kitsch. Unerträgliche Melange von New Age und als wäre Walt Disney zum Katholizismus konvertiert. Warum nicht ein gutes Werk von Viola, zum Beispiel the Greeting nach Pontormo. Hier wäre James Coleman drangewesen. S. 35, "Frauen Allahs", Shirin Neshat, 1994/95. Zeitgeist o.k. Es fehlen dafür Kabakov, Michailov aus dem Osten. Das gilt auch für die Künstler Jean Frederick, Bruly Bouabre, Cheri Samba, Bodys Isek Kingelez, George Adeagbo aus Afrika. Und Lateinamerika, Asien ?

S. 36, "Jeder, mit dem ich zwischen 1963 und 1995 geschlafen habe", Tracey Emin, 1995; "Uno momento", Jason Rhoades, 1996. Wird allmählich langweilig.

S. 37, "Schneeball-Verkauf, David Hammons", 1983. Ein Bild, das besser ist als das meiste bisher.

S. 38/39, "Der Cremaster-Zyklus", Matthew Barney, 1994 bis

2002; "Ausheben der Laterne für das Umlegen des Reifens", Andreas Slominski, Münster 1996. No comment (bin befangen).

S. 40, "Hölle", Jake und Dinos Chapman, 1999 bis 2000; "Haus ur", Gregor Schneider, Rheydt 1985 bis 1997. Goya ist radikaler, noch immer. Totes Haus: gute Kombi auf der Seite.

S. 41, "Film Still ohne Titel 21", Cindy Sherman, 1978. o.k.

S. 42, "Ohne Titel", Rosemarie Trockel, 1985. o.k.

S. 42/43, "Tischgesellschaft", Katharina Fritsch, 1988. Es gibt stärkere Skulpturen von Katharina Fritsch.

S. 44/45, "Ein plötzlicher Windstoß (Nach Hokusai)", Jeff Wall, 1993; "Michael Jackson und Bubbles", Jeff Koons, 1988. Gutes Ende, gratuliere.

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