Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 40
Die Wahrzeichen einer Kunst-Stadt
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Nicht umsonst spricht man vom "Museum der 100 Tage": Wenn ein Documenta-Sommer vorüber ist, werden die Werke demontiert, zerstört oder verkauft. Manches aber blieb doch in Kassel. Den Bäumen und Basaltstelen aus Joseph Beuys' Aktion "7000 Eichen" zur Documenta 7 (art 6/2002) begegnet man überall, aber auch sonst eröffnet jeder Stadtrundgang Blicke in die Geschichte der Schau. Fotos: Dieter Schwerdtle
Jenny Holzer: Für die Documenta 7 malte die amerikanische Konzeptkünstlerin 1982 ihre "Truisms" ("Binsenweisheiten") noch mit Farbe auf die Brandmauer eines Hauses an der Opernstraße. Heute nutzt sie Laserprojektionen.
Claes Oldenburg: Eine ganz gewöhnliche Spitzhacke in einem Kasseler Erdhaufen inspirierte Oldenburg zu seinem Beitrag für die Documenta 7. Genau in der Flucht der schnurgeraden Wilhelmshöher Allee platzierte er seine zwölf Meter hohe Stahlskulptur so, als hätte sie Herkules bis an das Fuldaufer geschleudert.
Thomas Schütte: Mit einem Ensemble von glasierten Terrakottafiguren reagierte der Düsseldorfer Plastiker 1992 auf die Flüchtlingsströme nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Ein Teil der "Fremden" blieb nach der Documenta 9 auf dem Kaufhaus am Friedrichsplatz, eine Gruppe zog weiter nach Lübeck.
Walter De Maria: Eine Messingscheibe von gerade einmal fünf Zentimetern Durchmesser in einer Sandsteinplatte auf dem Friedrichsplatz: Mehr sieht man nicht vom "Vertikalen Erdkilometer", der spektakulärsten Kunstaktion der Documenta 6 von 1977. Die hier versenkten 167 miteinander verschraubten Messingstangen a sechs Metern Länge sollen, so De Maria, die Menschen anregen, "über die Erde und ihren Ort im Universum nachzudenken".
Horst H. Baumann: Zur Documenta 6 installierte der Düsseldorfer Lichtkünstler 1977 das weltweit erste "Laser-Environment". Der Zwehrenturm sendet einen roten Krypton- und einen grünen Argonlaser über Kassel.
Ulrich Rückriem: Für die Documenta 7 1982 ließ der Bildhauer im Steinbruch einen Granitblock brechen und nach seinen Maßgaben spalten. Vor der Neuen Galerie wurde der 3,30 Meter hohe und 1,80 Meter breite Koloss wieder zusammengefügt und seitdem nicht mehr verrückt.
Jonathan Borofsky: "Mann, der zum Himmel geht" wurde zum Wahrzeichen der Documenta 9. Stadt, Land und Spender kauften das populäre Werk des Amerikaners an. Die 25 Meter hohe Skulptur des Himmelsstürmers wurde vom Friedrichsplatz vor den Kulturbahnhof versetzt.
Per Kirkeby: Am hinteren Ende der 1992 fertig gestellten Documenta-Halle ließ der Däne eine begehbare Skulptur aus Backstein errichten. Gemauert wurde sie von 19 Lehrlingen - die so allesamt Eingang in den Katalog der Documenta 9 fanden.
Anatol: Eine Woche vor der Eröffung der Documenta 6 ließ der Beuys-Schüler die "Tante Olga" am Jadebusen zu Wasser und schipperte samt Crew über Weser und Fulda bis Kassel. Heute liegt das Kunstharz-Schiff vor der Heinrich-Schütz-Schule an der Freiherr-vom-Stein-Straße.
Haus-Rucker-Co: Der "Rahmenbau", den die Künstlergruppe zur Documenta 6 1977 über der Karlsaue errichtet hat, macht die Landschaft zur Bühne. Bis zum Krieg stand hier das Kasseler Theater.
