Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 134

Sentimentale Noten

Von

Kino: "Pollock" - ein Porträt des amerikanischen Action Painters

Ob Jackson Pollock wohl singende Geigen hörte? Damals, 1944, als der Künstler (1912 bis 1956) seine Selbstzweifel überwandt und nach Monaten quälender Untätigkeit endlich die Leinwand bemalte, die Peggy Guggenheim bei ihm in Auftrag gegeben hatte? In Ed Harris' Film "Pollock" schon. Der Hollywood-Star ("Die Truman Show", "A Beautiful Mind"), der mit der filmischen Annäherung an den amerikanischen Action Painter sein Regiedebüt gibt, setzt in "Pollock" so manche sentimentale Note. Der Film entwirft ein eiliges Porträt der New Yorker Künstlerszene und zitiert neben Pollocks Ehefrau Lee Krasner (Marcia Gay Harden) im fliegenden Wechsel auch Kollegen wie Willem de Kooning (Val Kilmer) und Pollocks großen Förderer, den Kritiker Clement Greenberg (Jeffrey Tambor), ins Bild. Herausragend in diesem zweistündigen Versuch über eines der faszinierendsten Kapitel der Kunstgeschichte des letzten Jahrhunderts ist allerdings Ed Harris in der Titelrolle. Seine intensive Ausstrahlung, seine eindringliche Verkörperung des obsessiven Malers, bringen in vielen Momenten alle Geigen zum Verstummen.

Bild(er):

Bild: Stellen Maler dar: Ed Harris und Marcia Gay Harden