Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 128

Kunst zwischen Autowerkstätten

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Museen: Das Museum of Modern Art bezieht ein Übergangsquartier in Queens

Das Museum of Modern Art geht in die Vorstadt. Wegen umfangreicher Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten (Architekt: Yoshio Taniguchi) musste New Yorks berühmtestes Museum seinen Standort Manhattan vorübergehend verlassen. Um während der dreijährigen Umbauphase jedoch nicht auf Ausstellungen zu verzichten, entschied sich die Museumsleitung für ein unkonventionelles Ausweichquartier. Das neue "MoMA QNS" in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Stadtteil Queens ist zwar nur vier U-Bahnstationen vom alten Standort entfernt, doch zwischen der schicken Midtown-Lage und dem neuen Domizil jenseits des East River inmitten von Lagerhallen und Autowerkstätten liegen Welten.

Ein dekonstruktivistisches MoMA-Logo auf dem Dach des blauen Betonbaus signalisiert die neue Dynamik. Das schnörkellose Industriegebäude am Rande eines Eisenbahndepots sollte zunächst nur als Lager dienen. Dank des effektiven Designs von Michael Maltzan, einem Architekten aus Los Angeles, beherbergt das Übergangsquartier nun auf 15000 Quadratmetern Nutzfläche neben modernsten Kunstspeichern und Verwaltungsbüros auch großzügige Ausstellungsräume, ein Cafe und einen Museumsshop. Eröffnet wird am 29. Juni mit fünf Ausstellungen.

Maltzan orientierte sich beim Umbau an der Vorgeschichte der ehemaligen Fabrik für Heftklammern. Eine Laderampe wurde zum Eingang umfunktioniert, den Betonfußboden hat man roh belassen; Lüftungsschächte und elektrische Leitungen verlaufen unverkleidet unter der Decke. Trotz der verschiebbaren Trennwände aus Rigips erinnern die sieben Meter hohen Galerieräume nach wie vor an Lagerhallen - eine Herausforderung für die Kuratoren. Dafür bietet sich nun erstmals die Möglichkeit, drei massive Skulpturen von Richard Serra aus der Sammlung zu präsentieren.

Der MoMA-Umzug nach Queens setzt schon jetzt Trends in New Yorks Kunstlandschaft. Zur Wiedereröffnung des Hauptgebäudes 2005 sollen zwar sämtliche Ausstellungsaktivitäten nach Manhattan zurück verlegt werden. Der Außenposten in Queens soll dann nur noch als Lager und Werkstatt für Konservatoren dienen. "Doch wer weiß, wenn sich die Leute erst mal in den neuen Ort verlieben, vielleicht können wir ihn dann gar nicht mehr schließen", sagt Chefkuratorin Mary Lea Bandy. Namhafte Kulturinstitutionen, die aufgrund ihrer abseitigen Lage in Queens bisher ein Mauerblümchendasein führen, darunter auch P.S.1, das Isamu Noguchi Museum und das Kinomuseum in Astoria, rechnen mit Synergieeffekten. Und mit dem MoMA als zugkräftigem Nachbarn siedeln sich jetzt auch immer mehr Galerien in der Gegend an.

Adresse: MoMA QNS, 33. Straße, Ecke Queens Boulevard, Long Island City, Queens, U-Bahn: Line 7, Station 33rd Street. Internet: www.moma.org/ momaqns

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Bild: Das MoMALogo auf dem Dach des einstigen Fabrikgebäudes signalisiert die neue Dynamik