Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 130

Ende der Coolness

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KOMMENTAR

W enn im September in Frankfurt die Ausstellungen anlaufen, dann tragen sie - etwa in der Schirn - so unterkühlte Titel wie "Shopping". Wenige Meter entfernt dagegen, hat barocke Besinnlichkeit Einzug gehalten. Die zweite Ära des Museums für Moderne Kunst beginnt mit dem Ausstellungstitel "Das Museum, die Sammlung, der Direktor und seine Liebschaften". Der neue Direktor Udo Kittelmann hat das ausgerufen und liebäugelt statt dessen mit der Manieriertheit eines Peter Greenaway, dessen berühmtester Film "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" heißt. Zeigen, was man hat, ist die Devise des Nachfolgers von Jean-Christophe Ammann, und man hat eine Menge: Über eintausend Werke umfasst die Sammlung des MMK nach elf Jahren, und ausschließlich mit denen will der neue Museumsmann sein Programm bestreiten. Das Museum müsse wieder Museum werden, ließ er in seiner Antrittsrede hören, und spielte damit auf die Praxis Ammanns an, Werke aus dem Bestand mit geliehenen Arbeiten in einen Dialog zu bringen. Eine Praxis, die aus der Not (knappe Zuwendungen von der Stadt) eine Tugend (frischen Wind im Museum) gemacht hatte. Geldmangel braucht Kittelmann Dank einer Sammelaktion seines Vorgängers (art 3/2002) nicht zu befürchten: Ihm stehen jährlich 800000 Euro zur Verfügung. Was die Liebschaften angeht, hält sich der vormalige Leiter der Kölner Kunstvereins noch bedeckt. Eine dürfte die Vorliebe für Symbolik sein: Eröffnungsdatum seiner ersten Ausstellung ist der 13. September - ein Freitag.