Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 137

Art-Deco-Popstar

Von

Nicht nur die Bilder der Art-Deco-Malerin Tamara de Lempicka (um 1895 bis 1980) sind Ikonen der zwanziger Jahre - etwa ihr "Autoporträt" von 1929, in dem sie sich als moderne Frau am Steuer eines grünen Bugatti darstellte. Auch die Künstlerin selbst ist längst ein Mythos, eine Projektionsfläche für Fantasien. Die amerikanische Autorin Laura Claridge bestätigt dies; sie stilisiert Lempicka in ihrer Biografie zum Star des "Jazz Age".

In Moskau geboren, heiratete Tamara Gurwik-Gorska 1916 den St. Petersburger Anwalt Tadeusz Lempicki. Nach der russischen Revolution ging das Paar ins französische Exil. Im pulsierenden Paris führte die Künstlerin ein mondänes Leben. Die Hautevolee liebte ihre Bilder, deren schillernde Modernität den Nerv der Zeit traf. Vor allem Lempickas Frauenbilder bestechen durch ihre kraftvolle Darstellung einer neuen Weiblichkeit.

Claridges Darstellung liest sich spannend und ist profund recherchiert. Wer also keine wissenschaftliche Analyse erwartet und Exkurse zum Liebesleben der Diva nicht scheut, dem sei dieses Buch empfohlen. Laura Claridge zeichnet das Bild einer Leitfigur und schlägt mühelos die Brücke zu dem weiblichen Popstar der Gegenwart: Die Sängerin Madonna ist eine leidenschaftliche Sammlerin von Lempickas Werken.

Laura Claridge: Tamara de Lempicka. Ein Leben für Dekor und Dekadenz. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main. 478 S., 41 Schwarzweiß-Abb. und 16 Farbtafeln. 24,90 Euro