Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 137

Darf's ein bisschen schwer sein?

Von

Darf's ein bisschen schwer sein? DIE EMPFEHLUNG DES MONATS

Der erste Oeuvrekatalog des Pop-Fürsten Andy Warhol erschien 1970 und umfasste 650 Nummern seines weder abgeschlossenen noch zuvor je in Buchform dokumentierten Lebenswerks. Zusammengestellt hat ihn der deutsche Kunsthistoriker Rainer Crone. 32 Jahre später - die Literatur zu Warhol füllt inzwischen Regale - bildet er die Basis von Band 1 des aktuellen, von Georg Frei und Neil Printz kompilierten "Catalogue Raisonne" mit Kommentaren und Quellenmaterial zu 546 Gemälden und Skulpturen der Jahre 1961 bis 1963.

Das ist ein sieben Pfund schweres, äußerst üppiges Prachtstück, dem mindestens fünf weitere folgen sollen. Wer den Klotz einmal aus dem Schuber zog, will ihn nie mehr hergeben. Denn im Gegensatz zu Crones schlichtem Arbeitskompendium, das ersten Informationsbedarf stillte, geht es hier spürbar auch um die letzte Ehre für einen zu Lebzeiten (1928 bis 1987) von der Wissenschaft weitgehend ignorierten Künstler.

Also wurde nunmehr jedes erreichbare Warhol-Werk noch einmal inspiziert, nachgemessen, fotografiert, datiert sowie mit Vorlagen, Vorzeichnungen und Marktdaten verglichen. Rare Arbeits- und Ausstellungsfotos erhellen den Kontext der Entstehung. Spezialprobleme von Technik, Provenienz und Wirkungsgeschichte kommen in 14 Anhängen zur Sprache. Nahe beim Bild sodann dessen Ausstellungen, Erwähnungen in der Literatur, Hinweise. Hier wurde, so der erste Eindruck, jede erkannte Lücke philologisch penibel geschlossen.

Vermittelt werden viele tausend Details als opulentes Bilderbuch mit Texten in englischer Sprache und einem pathetischen Layout, das den Vorsatz widerspiegelt, Andy Warhol ein Monument zu errichten. Endlich Jahrhundertkünstler, endlich so geschätzt wie Pablo Picasso.

Bild(er):

Bild: Georg Frei/Neil Printz: The Andy Warhol Catalogue Raisonne. Band 1. Phaidon Verlag, Berlin. 504 Seiten. 546 Werk- und 320 Vergleichsabbildungen, meist in Farbe. 250 Euro

Bild: Andy Warhol: Porträt von Liz Taylor (1963)