Ausgabe: 06 / 2002
Seite: 96
Ein Arkadien mit Windmühlen
Von Kerstin Schweighfer
AMSTERDAM: DAS GOLDENE LAND VON AELBERT CUYP / Das Rijksmuseum zeigt rund 100 Arbeiten des großen niederländischen Landschaftsmalers (1620 bis 1691)
Eine leichte Brise treibt die Segelschiffe auf der fast spiegelglatten Wasserfläche voran. Zwischen Hirten und friedlich grasenden Kühen halten elegant gekleidete Reiter inne, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen, die die pittoreske Landschaft in ein goldenes Licht tauchen.
Werke wie "Reiter und Hirten mit Vieh" haben Aelbert Cuyp den Beinamen "Maler des holländischen Arkadiens" eingebracht. Wie kaum ein anderer beherrschte er die Kunst, idealisierte niederländische Polder- und Flusslandschaften in ein goldenes Licht zu tauchen, das an Italien erinnerte. Auf einer Wander-Ausstellung wird der "holländische Claude Lorrain" erstmals international mit einer Retrospektive gewürdigt: Nach Stationen in Washington und London zeigt das Amsterdamer Reichsmuseum nun rund 40 Gemälde und rund 60 Zeichnungen des Malers aus Dordrecht.
Aelbert Cuyp stammte aus einer angesehenen Künstlerfamilie und ging vermutlich bei seinem Vater Jacob in die Lehre. Zunächst stand Cuyp Junior noch deutlich unter dem Einfluss seines Landsmannes Jan van Goyen und malte so wie dieser Landschaften in Brauntönen. Reisen durch die Niederlande jedoch brachten ihn in Kontakt mit Utrechter Malern wie Jan Both, die in Italien Malerei studiert hatten. Auch Cuyp geriet in den Bann des südlichen Lichts, doch im Gegensatz zu diesen überflutete er typisch niederländische Sujets wie Windmühlen oder Kühe mit goldenem Schein.
Damit entsprach sein Werk dem Ideal der jungen niederländischen Republik, die sich gerade vom Joch der spanischen Unterdrücker befreit hatte und sich als "neues Arkadien" betrachtete: als gelobtes Land voller Reichtum und Frieden, in dem der Mensch angstfrei und in Harmonie mit der Natur leben konnte.
Durch seine Heirat mit einer reichen Witwe gehörte Cuyp schon bald zu den angesehensten und wohlhabensten Bürgern von Dordrecht. Über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus wurde er aber erst rund 80 Jahre nach seinem Tod bekannt. Dafür sorgten die Engländer, unter denen Ende des 18. Jahrhunderts eine wahre Cuyp-Manie ausbrach. Vor allem auf die Reiterbilder war der englische Landadel geradezu versessen.
Noch heute gibt es nirgends auf der Welt so viele von Cuyps Werken wie in England. In Holland hingegen befand sich schon um 1800 so gut wie keines mehr. Erst 1965 gelang es dem Amsterdamer Reichsmuseum, mit der "Flusslandschaft mit zwei Reitern" ein wichtiges Werk in die Heimat zurückzuholen.
Termin: 7. Juni bis 1. September. Unterstützt von Philips. Katalog: englisch 39,70 Euro Internet: www.rijksmuseum.nl
Bild(er):
Bild: Holländisches Arkadien: "Reiter und Hirten mit Vieh" (120 x 172 cm, um 1650) von Aelbert Cuyp
