Ausgabe: 06 / 2001
Seite: 6

Weitere Munch-Erben

Von

"Ein Realist der Gefühle" - Gerd Presler über den norwegischen Maler Edvard Munch (2/2001)

Ich freue mich sehr, dass Sie Edvard Munch anlässlich seiner Kopenhagener Ausstellung mit seinem enormen Einfluss gerade auf den deutschen Expressionismus und die zeitgenössische Malerei wieder ins Bewusstsein rücken. Geglückt und verdienstvoll auch, wie Frau Wlodarek im Gespräch mit Ihnen Munchs Faszination für den heutigen Menschen entschlüsselte.

Ein Wermutstropfen in Ihrer Titelarbeit: Nur zwei Beispiele für Munchs Erben (Georg Baselitz und Friedemann Hahn), das finde ich ein unter Wert verschenktes großes Thema. Da muss man unter dem besonderen Aspekt der "Gemeinschaftsmalerei" Ina Barfuss und Thomas Wachweger anführen, deren gemeinsame Gouache "o. T.", 1991, 150 x 76 cm, nahezu 100 Jahre später, die Schrei-Ikonografie von der individuell-psychodynamischen auch auf eine politisch-gesellschaftliche Ebene mit den Erfahrungen der deutschen Wiedervereinigung verlagert. Eine embryonale Mutterfigur, fleisch- und gefühllos, angstdominiert, mit ihren siamesischen Deutschlandzwillingen vor Sozialismus-Abenddämmerung und märkischer Baumkulisse. Das vielfüßige Land im Aufbruch - eine eindrucksvolle, stimmig erspürte Analyse der beiden. Der Kunstverein Niebüll stellte das Bild 1994 im Richard-Haizmann-Museum Niebüll aus und veröffentlichte es auf dem Einladungsplakat.

Hartmut Kirchner, Ulm

Bildunterschrift: Von Munch beeinflusst: "Gemeinschaftsmalerei" von Ina Barfuss und Thomas Wachweger /