Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 130
Das Ende eines Exils
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Privatsammlungen: Mit der im Krieg nach Vaduz geretteten Kollektion der Liechtensteiner Fürsten kehrt die größte Privatsammlung Europas nach Wien zurück
Die größte europäische Privatsammlung kehrt nach 58 Jahren an ihren angestammten Platz zurück: Die Kunstschätze des Liechtensteiner Fürstenhauses sollen 2003 von Vaduz wieder in das Barockpalais des Liechtensteiner Fürstenhauses in Wien umziehen. Unter den etwa 500 Objekten stechen vor allem die Meisterwerke der italienischen und flämischen Malerei hervor, etwa der "Decius-Mus-Zyklus" von Peter Paul Rubens (1577 bis 1640). Ein weiterer Schwerpunkt ist österreichische Malerei des 19. Jahrhunderts.
In Wien war die Sammlung der Liechtensteiner Fürsten 250 Jahre lang beheimatet - bis 1945. Doch im letzten Kriegsjahr brachte der damalige Fürst Franz Joseph II. (1906 bis 1989) die 1400 Gemälde aus Angst vor den anrückenden Russen nach Vaduz in das neutrale Fürstentum Liechtenstein.
Für die Aktion war damals eigens die Erlaubnis des Reichskunstbeauftragten Adolf Ratjen in Berlin notwendig. Ratjen sagte sofort zu - die Nazis hatten die Sammlung schon im Jahr der Annektierung Österreichs 1938 unter Denkmalschutz gestellt. Der Beauftragte wusste um ihren Wert und verpflichtete den Fürsten, das kriegsverschickte Gut innerhalb von drei Jahren nach Wien zurückzubringen. Nach Kriegsende bemühte sich die Republik Österreich bei Franz Joseph II. jedoch vergeblich um die Einlösung des Versprechens.
Heute lagert die Sammlung noch immer in einem Rundturm der Vaduzer Burg, der eigens zum Depot umgebaut wurde. Sie ist längst nicht mehr vollständig: Weil der Fürst das Geld für die Erhaltung der Kunst nicht aufbringen konnte, sah er sich gezwungen, zahlreiche Werke zu verkaufen, darunter auch das Bild "Ginevra dei Benci" von Leonardo da Vinci.
Vor der Heimkehr der Sammlung baut der Architekt Johann Kräftner unter Federführung des inzwischen regierenden Fürsten Hans-Adam II. das einst von Domenico Martinelli gebaute Sommerpalais für geschätzte 21 Millionen Mark um. Das bisher dort angesiedelte Museum für Moderne Kunst zieht ins neue Museumsquartier.
Die finanzielle Ausstattung des künftigen Museumsbetriebs hängt allerdings davon ab, ob der wirtschaftlich denkende Fürst Hans-Adam II. den Bau von Büros im Palast durchsetzen kann, durch deren Vermietung neue Einnahmen entstünden. Immerhin 1000 der insgesamt 5000 Quadratmeter hat er für eine solche kommerzielle Nutzung vorgesehen.
Bildunterschrift: Aus der bedeutenden Sammlung des Fürstenhauses: "Venus vor dem Spiegel" von Peter Paul Rubens / Bernardo Bellotto (1721 bis 1780): "Palais Liechtenstein" in Wien /
