Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 97
Absturz in gelbe Limonade
Von Kia Vahland
AUSSTELLUNGEN IM APRIL - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / BADEN-BADEN: AUS DER FERNE SO NAH / Vier türkische Künstlerinnen zeigen ihre Arbeiten in der Staatlichen Kunsthalle
Für Füsun Onur ist die Welt stofflich. Auf der Biennale in Istanbul 1995 hängte sie die Kontinente als Lappen an einen Stickrahmen. Darüber drehte sich die Erde als großer blauer Ball. Später nähte die Istanbulerin ihre eigene Kleidung zu und stellte sie aus. Die Handarbeit von Frauen, Gewebtes, Genähtes und Gesticktes, zieht sich als roter Faden durch das Werk der 62-Jährigen. Seit einigen Jahren nutzt sie außerdem simple Klangkörper wie in der Installation "Was die Erde sang!". So wie Füsun Onur arbeiten auch viele junge türkische Künstlerinnen mit möglichst alltäglichen Dingen. In Baden-Baden sind nicht nur einige Werke Onurs zu sehen; es ist auch zu beobachten, wie drei jüngere Kolleginnen die Formensprache der Älteren aufgreifen und weiterentwickeln. Selda Asal, Elif Celebi und Günesc Savasc gehen den Schritt von der Klang- zur Videoinstallation. Ihr Stil ist dabei genauso reduziert wie der Onurs. Bei Celebi zum Beispiel ist im Videoformat nur noch ein halb volles Glas gelber Limonade zu sehen, in das sich begehrlich Bienen stürzen.
Termin: 31. März bis 4. Juni. Katalog: zirka 30 Mark, Internet: http://hosting.zkm.de/kbb/start_wi.html
Bildunterschrift: Füsun Onur: "Was die Erde sang!" (2000) /
