Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 133

Viel Spektakel im Bauch des Museums

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Architektur: Das "Universum Science Center" in Bremen erinnert an einen Wal

Frank O. Gehry, kalifornischer Prophet der freien Form, zeitigt nun auch hierzulande Nachfolger und Nachahmer. Der erfolgreiche Amerikaner hat demonstriert, dass Bauten nicht immer rechtwinklig sein müssen. Kurve und Schräge machen der geraden Linie Konkurrenz. Architektur für Kinos, Theater, Museen und Entertainment wirbt mit ungewöhnlicher Gestalt für den jeweiligen Inhalt.

Ein Beispiel dafür ist das Bremer "Universum Science Center", entworfen von dem ortsansässigen Architekten Thomas Klumpp, 57. Es ruft mit seiner ebenso animalisch wie futuristisch anmutenden Hülle Assoziationen an genau die Themen hervor, mit denen sich dieses neuartige Wissenschaftsmuseum beschäftigt. Wer sich dem Ungetüm im blitzenden Schuppenkleid aus gebürstetem Metall nähert, dem kommt ein auftauchender Walfisch in den Sinn; er könnte aber auch an ein vom Himmel gestürztes Raumschiff denken.

Für die Aufgabe des "Universum Science Center", den vorwiegend jugendlichen Besuchern auf spielerische Weise die Wunder der menschlichen Existenz, der Erde und des Kosmos nahe zu bringen, hat der Architekt offensichtlich das richtige Gespür gehabt: Thomas Klumpp meint, das Leben gestalte sich "weich, fließend und unregelmäßig" - deshalb solle auch ein Haus, das der Erkundung des Lebens in all seinen Ausprägungen gewidmet ist, organisch, dynamisch und geheimnisvoll aussehen.

Der Besucher betritt den Riesenfisch des Wissens über einen stählernen Brückensteg, denn der Leib erhebt sich aus dem Wasser eines Sees, der zwischen Bürgerpark und Universitätscampus liegt. Das nasse Element passt vorzüglich zur Schalenfigur des Gebäudes. Wie das tragende Gerüst eines Schiffsrumpfs wurde es aus hölzernen Spanten und Leisten konstruiert.

Umhüllt ist das zweifach gebogene Skelett mit Planken aus Holz und einer deckenden Haut aus 35000 Edelstahlplatten. Leider bringt ein steiler Erdhügel, in dem das Hinterteil des Museums steckt, die Beziehung des scheinbar schwimmenden Körpers zum Wasser etwas aus der Balance. Ursprünglich wollte der Architekt hier, am Seeufer, eine sanft auslaufende Sanddüne aufschütten, von der aus seine üppig gerundete Arche gleichsam wie von selbst ins Wasser rutschen sollte.

Aber die Bremer Behörden verhinderten diese großzügige Lösung. Sie bestanden darauf, das Gebäude näher an eine Straße heranzurücken. Dadurch wurde der Platz sehr beengt - mit der Folge, dass sich das Haus nun in den Hügel schiebt. Eine kümmerliche Grasnarbe soll den braunen Erdhaufen befestigen, unter dem sich hauptsächlich ein großer Tank für das Löschwasser verbirgt. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, dieses Wasser dem See zu entnehmen, um bei der geplanten flachen Düne bleiben zu können. Was den Hügel zusätzlich verunstaltet, ist eine Batterie von dicken Abluftröhren, die wie eine "Stalinorgel" aggressiv nach oben gereckt sind.

Die Inszenierung im Innern, eine effektbetonte Mischung aus Geisterbahn, Technikmuseum, Disneyland und spielerischem Science-Parcours, stammt nicht vom Architekten. Hier war das Hamburger Team "Kunstraum" federführend. Die Designer haben allerdings den gewölbten Großraum so voll gestopft und die drei Ausstellungsebenen bis an den Rand mit Einbauten bepackt, dass man nur noch an wenigen Stellen das Gefühl hat, sich wie Jonas im Innern eines Wals zu befinden.

Allein im Bereich der raffiniert geführten Metalltreppen, die sich luftig nach oben winden, ist das eindrucksvolle Volumen des "Universums" noch zu spüren.

Adresse: Wiener Straße 2

Öffnungszeiten: Mo-So 10-19, Mi bis 21 Uhr

Bildunterschrift: Mächtig erhebt sich das Wissenschaftsmuseum über einen See zwischen Bürgerpark und Universität in Bremen / Das Hamburger Team "Kunstraum" sorgte für die Präsentation: eine Mischung aus Disneyland und Geisterbahn /