Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 126

Zweiter Sündenfall

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KOMMENTAR

Die Misere ist hinreichend bekannt. Um einen Teil der Schulden der zum Debakel gewordenen "Zeitwenden"-Ausstellung zu decken, hat die Stadt Bonn ein Baselitz-Gemälde aus dem Besitz des Kunstmuseums im Wert von 400 000 Mark an die Bonner Sparkassenstiftung verkauft. Die Presse war empört, der Deutsche Museumsrat protestierte, Mäzene kehren dem Haus den Rücken (art 2/2001). Das Ansehen des Kunstmuseums und der Bonner Kulturpolitik hat gelitten. Um so verwunderlicher ist es, dass Kulturdezernent Jochem von Uslar, der den Sündenfall verantwortet, für das Museum noch einmal tief in die Tasche greift. So will er trotz angespannter städtischer Finanzlage nicht nur den Ankaufsetat des Kunstmuseums von 350000 Mark auf 600000 Mark erhöhen, sondern auch den Acht-Millionen-Etat des Hauses unangetastet lassen. Bislang übernahm der Bund fünf Millionen der acht Millionen Mark. Doch durch den Rückzug des Bundes aus der Kulturfinanzierung der Stadt Bonn sieht die Stadt sich gezwungen, den auslaufenden Millionenbetrag selbst weiterzuführen. Im Kulturdezernat heißt es beinahe trotzig, mit der Kostenübernahme werde die Unabhängigkeit gegenüber den Sammlern und Mäzenen gewährleistet. Denn die sind nach dem fragwürdigen Notverkauf längst auf Distanz gegangen. Wenn die Stadt für das Kunstmuseum plötzlich Gelder in Millionenhöhe lockermachen kann, warum um alles in der Welt hat sie sich in jüngster Vergangenheit einen derartigen kulturpolitischen Offenbarungseid geleistet?