Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 3

Liebe Leserin, lieber Leser

Von Axel Hecht

Nun schlägt wieder die Stunde der Pharisäer: Allüberall in der zivilisierten Welt wird die Zerstörung der beiden großen Buddha-Statuen in den Felsen des afghanischen Ortes Bamian beklagt. Einhellig ist die Kritik am Vandalismus der eifernden Gotteskrieger, die Allahs Verbot von Heiligenbildern radikal mit Dynamit und Mörsergeschossen umsetzten.

Natürlich wiegt der Verlust der kolossalen Figuren schwer, die mit 53 und 37 Meter Höhe zu den größten Buddha-Statuen der Welt zählen. Sie sind einmalig und unersetzbar. Doch die da den Verlust so laut beklagen und die religiösen Eiferer der Zerstörung des Weltkulturerbes bezichtigen, sollten sich ihrer eigenen, nicht immer ruhmreichen Geschichte erinnern.

Hat es nicht hierzulande im 16. Jahrhundert nach der Reformation einen Bildersturm gegeben, der über weite Provinzen eine der reichsten Kulturen des Abendlandes vernichtete?

Haben nicht französische Revolutionäre 1871 in Paris die Vendome-Säule gestürzt?

Hat es nicht hier unter den Nationalsozialisten Gewalt gegen "entartete Kunst" gegeben, haben nicht in Deutschland am 9. November 1938 zur Reichspogromnacht die Synagogen gebrannt?

Haben im Vietnam-Krieg nicht amerikanische Bomber den kostbaren Tempelbezirk von My Son dem Erdboden gleichgemacht? Haben Kroaten 1993 nicht in Mostar die schönste osmanische Brücke auf dem Balkan mit Geschützen zerstört?

Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

Sie entschuldigt nicht den Rigorismus der Taliban, die als Gotteskrieger Allahs wohl die Bildmagie der Buddha-Statuen fürchten.

*

Mit der aktuellen Ausgabe legt die Redaktion ein überarbeitetes Magazin vor: Wir haben art klarer gegliedert, Rubriken übersichtlicher angelegt, das Schriftbild wurde lesefreundlicher, und auch die Zusatzinformationen finden Sie jetzt schneller. Selbst das Titelblatt ist jetzt großzügiger. Alle Veränderungen wurden behutsam vorgenommen, daher erkennen Sie Ihr Kunstmagazin natürlich wieder. Spannende und vergnügliche Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

Bildunterschrift: , Chefredakteur / Wurde von 1969 bis 1977 restauriert und ist jetzt zerstört: Buddha-Statue im Felsen von Bamian /