Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 6
Schönheit, Rausch und Traum
Von
"Ein Realist der Gefühle" - Gerd Presler über den Maler Edvard Munch (2/2001)
Um Munchs Wirkung noch heute zu verstehen, muss man nicht extra eine Psychotherapeutin bemühen. So wenig Vertrauen in die Bilder, in Kunst? Munchs Malerei ist zuerst konzentrierte, hoch differenzierte Form, expressive Kraft, bildnerische Intelligenz. Gewiss muss im 20. Jahrhundert, wie Picasso bemerkte, jeder Maler, jeder Künstler seine eigene Sprache selbst erfinden. Aber eben Sprache. Dazu muss er - notwendig - etwas mitzuteilen haben, jenseits von Gestammel und Delirium.
Gerd Presler stellt seinen begleitenden Text profund ganz aufs Biografische, aufs Existentiell-Bedrängende in Munchs Leben - als Schlüssel der Bilder.
Das und das lange Anverwandeln der gegebenen künstlerischen Konvention, ja ihr weitgehendes Beherrschen - um bald mit Furore, essentiell und getrieben, zu erneuerter, Ausdrucksfreiheit der Form zu finden -, ist Munchs folgerichtiger Weg, entfaltet die Faszination der Werke, ihre schwere Noblesse.
Hubertus Giebe, Dresden
Bildunterschrift: Ausgabe 2/2001 /
