Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 98

Kunststücke aus weißem Gold

Von Boris Hohmeyer

AUSSTELLUNGEN IM APRIL - VORSCHAU - KRITIK - TERMINE / SCHWERIN: ELFENBEIN DES BAROCK / Das Staatliche Museum Schwerin zeigt kostbare Elfenbein-Schnitzereien

Bessere Objekte für fürstliche Kammern lassen sich kaum denken - als handwerkliche Bravourstücke aus exotischem Material waren die Elfenbein-Schnitzereien des Barock Kunst und Wunder zugleich. Das wussten auch die Herzöge von Mecklenburg: Fast 300 Statuetten, Gefäße und Reliefs, die sie bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesammelt haben, besitzt heute das Staatliche Museum Schwerin. Herzog Christian Ludwig II. begeisterte sich sogar so sehr für die zierlichen Arbeiten, dass er 1738 den Dresdner Schnitzer Carl August Lücke d. J. fest an den Hof engagierte.

Bislang waren diese Schätze größtenteils in den Depots verborgen; jetzt werden sie, zusammen mit vielen grafischen Vorlagen, in einer Ausstellung und einem Bestandskatalog zum ersten Mal systema-

tisch der Öffentlichkeit vorgestellt. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts änderte sich die Mode, das Elfenbein verlor an Wertschätzung. War früher besonders die delikate Färbung des Materials bewundert und bevorzugt in Aktfiguren zur Geltung gebracht worden, wandten sich Meister wie Simon Troger oder Mathias Kolb nun so genannten Kombinationsfiguren zu: Um des Kontrastes Willen zogen sie ihren Gestalten Kleider aus Nussbaumholz an.

Termin: 31. März bis 4. Juni. Katalog: 48 Mark.

Internet: www.museum-schwerin.de

Bildunterschrift: Kolb: Judith (Mitte 18. Jahrhundert) /