Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 132
Junge Kunst verliert an Glanz
Von
US-Markt: Flaue Stimmung auf den New Yorker Frühjahrsmessen - Zeitgenössisches verkauft sich schlecht
Die Enttäuschung war groß: 170 Galeristen aus 19 Ländern waren Ende Februar zur dritten "Armory Show", einer internationalen Messe für zeitgenössische Kunst, nach New York gekommen. Doch die Verkäufe liefen schleppend. Mit der rezessiven amerikanischen Wirtschaft schrumpfen nicht nur die Budgets, auch die Risikobereitschaft der US-Sammler nimmt ab.
"Irgendwann musste der Boom zu Ende gehen", kommentierte Theres Abbt, New Yorker Geschäftsführerin des Kunstverlages Scalo. "Der Markt für Zeitgenössisches steht kurz vor dem Zusammenbruch." Betroffen sind jedoch vorerst nur die jungen, unbekannten Künstler.
Die großen Namen der zeitgenössischen Kunst ziehen hingegen auch weiterhin. Die Londoner Galerie Jay Jopling/White Cube konnte ein Gemälde von Damien Hirst ("Ohne Titel 15") aus dem Jahr 2000 für 125000 Pfund (rund 385000 Mark) zuschlagen, während sich der deutsche Galerist Harry Lybke über das anhaltende Interesse der Amerikaner an dem Leipziger Maler Neo Rauch (art 1/2001) freuen durfte: Gleich zwei großformatige Gemälde blieben für 28000 Dollar (rund 58000 Mark) in New York. Zur gleichen Zeit boten 70 Galeristen bei der "Art Show" Werke aus allen Genres an, von Alten Meistern bis zur zeitgenössischen Kunst. Die Stimmung war hier, auf der Messe der renommierten Händlervereinigung "Art Dealers Association of America", ebenfalls eher flau.
"Es gibt keinen Sturm mehr auf den Markt", sagt Jane Kallir, Leiterin der New Yorker Galerie St. Etienne: "Die Energie ist raus."
Bildunterschrift: Brachte rund 385000 Mark: "Ohne Titel 15" (2000) von Damien Hirst /
