Ausgabe: 07 / 2000
Seite: 133

Gefragt: Katharina Hegewisch

Von

Sind Händler bei der Beurteilung von Kunst grundsätzlich befangen?

Hegewisch: Nein, das glaube ich nicht. Aber dieser Vorwurf trifft mich ohnehin nicht. Ich bin nicht im Handel tätig. Ich berate Unternehmen, die nach geeigneter Kunst für ihre Neubauprojekte suchen. Die Kunstwerke sind dann meist Auftragsarbeiten, eine Lösung für eine ganz bestimmte Situation und einen bestimmten architektonischen Kontext. Sie würden an einem anderen Ort gar keinen Sinn machen.

ART: Können Sie die von Ihnen vertretenen Künstler in der Kommission überhaupt noch vorschlagen?

Hegewisch: Ich vertrete keine Künstler, habe keinen unter Vertrag und auch keinen festen Stamm. Ich bin immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert und entwickle gemeinsam mit dem Kunden und dem Künstler eine konkrete Lösung. Dafür muss ich mir ein offenes, unabhängiges Urteil über die zeitgenössische Kunst unbedingt bewahren.

ART: Werden Sie nach der Kritik an Ihrer Berufung noch unbefangen entscheiden können?

Hegewisch: Ja. Meine Tätigkeit erfordert große Ungebundenheit und Integrität, die habe ich mit meiner bisherigen Arbeit unter Beweis gestellt. Eine der wichtigsten Spielregeln ist das Sich-selbst-in-Fragestellen-Können bei Interessenkonflikten. Das halte ich für selbstverständlich - allerdings kann es nicht nur mir abverlangt werden. Das müssen auch die in der Kommission vertretenen Kuratoren und Künstler leisten. In den USA kennt man diese Spielregel. Dort sind derartige Gremien schon lange mit Leuten aus unterschiedlichen Bereichen besetzt. Ich finde es wichtig, dass diese Debatte jetzt auch hier geführt wird.

Interview: Barbara Häusler

Bildunterschrift: Die Kunstexpertin Katharina Hegewisch, 44, wurde von Kulturstaatsminister Michael Naumann in die Kunstankaufskommission des Bundes berufen. Daraufhin traten die acht anderen Mitglieder des Gremiums zurück. Begründung: Hegewischs Arbeit für eine Art-Consulting-Agentur verletze die traditionelle "Gewaltenteilung" zwischen Kommission und Kunsthandel /