Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 134

Mehr sehen und hören beim Lesen

Von Irma Schlagheck

Im Spiel der Wellen. Musik nach Bildern. Herausgegeben von Frank Schneider. Prestel-Verlag, München. 128 Seiten mit 102 Abbildungen, davon 77 in Farbe. 39,80 Mark

Das ist eine Lektüre, bei der Lesern Hören und Sehen aufgehen. Von der mittelalterlichen Motette bis zur zeitgenössischen Klangskulptur von John Cage werden Wechselwirkungen zwischen bildender Kunst und Musik dargelegt, die unterschiedliche Weisen, in denen sich Komponisten von Werken bildender Künstler inspirieren ließen, Maler musikalisch gefeiert.

Der Buchtitel "Im Spiel der Wellen" bezieht sich auf ein eher geläufiges Beispiel, Max Regers "Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin" für Orchester op. 128, deren zweiter Satz als musikalisches Tableau des Böcklin-Gemäldes "Im Spiel der Wellen" verfasst ist. Spezialisten ihres Fachs gehen die facettenreiche Thematik unter jeweils anderer Fragestellung und aus unterschiedlicher Perspektive an. Die Essays sind nicht für Kollegen geschrieben, sondern richten sich instruktiv, differenziert und dabei lebendig und verständlich an aufmerksame Laien, denen Kunst und Musik nicht völlig unvertraut sind.

Die vermittelnde Leserfreundlichkeit des Buchs verdankt sich der Praxis des Musiklebens. Herausgeber Frank Schneider ist Intendant des Konzerthauses Berlin am Gendarmenmarkt, das in diesem Winter als Schwerpunkt der Saison Werke aufführt, die in unmittelbarer Beziehung zur bildenden Kunst entstanden sind. So ist das Buch, das fundiert auf ein hochkomplexes interdisziplinäres Thema der Künste einstimmt, auch als Augenöffner für die Konzert-Hörer zu lesen.

Bildunterschrift: Synergie der Künste: Arnold Böcklins Gemälde "Im Spiel der Wellen" inspirierte den Komponisten Max Reger zu Tondichtungen /