Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 128
Tollkühn gegen alle Moral
Von Gunder Clauss
Nicolas Charlet: Yves Klein. Vorwort von Pierre Restany. Prestel-Verlag, München. 256 Seiten, 280 Abbildungen, davon 130 in Farbe. 128 Mark
Tollkühn bereitete Yves Klein Anfang der sechziger Jahre das Terrain für Body Art und Konzeptkunst - gegen alle Moral- und Kunstvorstellungen. Er gehörte zu den Pionieren der Performance, die noch heute nachwirkende Künstlergruppe der "Nouveaux Realistes" nahm in Kleins Pariser Wohnung ihren Anfang. Das atemberaubende Ultramarin des Franzosen, das "International Klein's Blue", ist gar als Inbegriff der monochromen Malerei in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangen.
In dem Kunstschriftsteller Pierre Restany, besaß Klein einen kongenialen Mitstreiter bei der Durchsetzung seiner oft schwer verdaulichen Ideen.
Über den früh vollendeten Künstler, dessen heftiges Leben 1962 mit 34 Jahren nach einem Herzinfarkt erlosch, ist schon viel geschrieben worden, und mit Restanys Biografie von 1982 (erste Fassung 1974) schien alles Wesentliche abschließend formuliert.
Ein Irrtum. Jetzt legt ein gerade 28-jähriger Nachwuchs-Wissenschaftler eine neue Klein-Biografie vor, und - kaum zu glauben - eine auf höchstem Niveau. Sensibel erzählt er Kleins Leben, integriert bislang unbekannte Facetten, liefert eine detaillierte Kurzbiografie und ein Namensregister dazu. Der Autor, attestiert Pierre Restany im Vorwort, wisse wovon er spreche "und wovon gesprochen werden muss".
Das dafür nötige Detailwissen holte sich Charlet, Dozent für Kunstgeschichte an der Universite de Lyon, im Pariser Yves-Klein-Archiv. Dort forscht er gegenwärtig über Kleins Schriften: Seine Doktorarbeit soll im Frühjahr beendet sein. Nach dem Coup mit der Biografie ist anzunehmen, dass Charlet das Werk seines Mentors als Yves-Klein-Experte überzeugend fortsetzen wird.
Bildunterschrift: Das atemberaubende Ultramarin des Yves Klein: Porträtrelief von Arman (1962) /
